20.01.2011

Organisationen aus ganz Deutschland weisen auf die Sinnlosigkeit der Fuchsjagd hin

Im Rahmen sogenannter „Fuchswochen" wird derzeit erbarmungslos Hatz auf den Fuchs gemacht. Tier- und Naturschutzorganisationen, aber auch kritische Jäger weisen darauf hin, dass es dafür keinerlei Notwendigkeit gibt, weil soziale Faktoren die Bestandsdichte des Fuchses effektiv begrenzen.

Zurzeit hat der Fuchs besonders unter Nachstellung zu leiden: Jäger nutzen die Paarungszeit der Füchse, um die sonst so vorsichtigen Beutegreifer vor die Flinte zu bekommen. Zudem werden vielerorts so genannte „Fuchswochen" veranstaltet, bei denen mehrere Jäger gemeinsam versuchen, so viele Füchse wie irgend möglich zu töten. Um diese erbarmungslose Verfolgung unseres letzten größeren Beutegreifers zu rechtfertigen, behauptet man kurzerhand, die Fuchsjagd sei „notwendig", weil die Fuchsbestände ansonsten überhand nähmen.

Soziale Dichtekontrolle reguliert Fuchsbestände
Die zu Jahresbeginn gegründete Initiative „Schonzeit für Füchse", der bereits  über 30 Organisationen aus dem gesamten Bundesgebiet angehören, widerspricht dieser Behauptung vehement. Wie wir aus jagdfreien Gebieten wissen, sorgt die Sozialstruktur von Fuchspopulationen dafür, dass Füchse sich nicht über Gebühr vermehren. Lässt man Füchse in Ruhe, so leben sie in stabilen Familiengemeinschaften zusammen, in denen nur die ranghöchste Füchsin Nachwuchs bekommt. Die Geburtenrate ist relativ gering und die Populationsdichte bleibt konstant. Englische Forscher um den Biologen Stephen Harris konnten zeigen, dass selbst ein 150faches Nahrungsüberangebot die Fuchsdichte nicht weiter wachsen lässt. Greift nun jedoch der Mensch mit Flinte und Falle in dieses stabile System ein, so brechen die Gemeinschaften auseinander, und nahezu jede Füchsin wird befruchtet. Studien zeigen, dass zudem auch die Anzahl der Welpen pro Wurf wächst.

Jagd ist kontraproduktiv
Je stärker Füchse also bejagt werden, desto mehr Nachwuchs gibt es – eine wie auch immer geartete „Regulation" von Fuchsbeständen ist weder nötig, noch ist sie mit jagdlichen Mitteln überhaupt möglich. Ein Beispiel hierfür sind die regelrechten Vernichtungsaktionen, die in den 1970er Jahren zur Tollwutbekämpfung durchgeführt wurden. Obwohl man damals Füchsen sogar mit Giftgas zu Leibe rückte, konnte die Fuchsdichte nicht verringert werden. Mehr noch: Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Tollwut, die man durch die Jagd eigentlich eindämmen wollte, wuchs sogar an – das Chaos in der stark bejagten Fuchsgesellschaft sorgte dafür, dass die nun zahlreich vorhandenen vagabundierenden Jungfüchse die Tollwut oftmals erst in neue Gebiete einschleppten. Die Schweizerische Tollwutzentrale folgerte daher, dass eine jagdliche Reduktion von Fuchspopulationen offensichtlich nicht möglich und die Jagd zur Tollwutbekämpfung sogar kontraktproduktiv sei. Wie wir heute wissen, konnten erst tierfreundliche Impfköder die Tollwut besiegen – sie gilt heute in Deutschland und in weiten Teilen Europas als ausgerottet.

Strecke einer Fuchswoche bei Messkirch/Baden-Württemberg (c) B.Pelli
Diese Erfahrung ist geradezu symptomatisch für unseren Umgang mit Wildtieren: Manche Jäger wollen uns glauben machen, man müsse die Natur mit der Flinte „zurechtschießen". Dass es anders wesentlich besser geht, zeigen jene wenigen Gebiete, in denen Füchse nicht bejagt werden. Ob in Nationalparks im In- und Ausland, in jagdfreien Naturschutzgebieten, in Dünengebieten Nordhollands, im Kanton Genf oder im „Urwald" bei Saarbrücken: Nirgendwo ist eine drastische Vermehrung des Fuchses festzustellen.

Bundesweite Initiative von über 30 Organisationen  fordert Schonzeit für Füchse
Ganz offensichtlich ist die intensive Verfolgung des Fuchses, der in den meisten Bundesländern nicht einmal eine Schonzeit hat, vollkommen unnötig. Sie fügt Tieren  - ohne dass der vom Tierschutzgesetz geforderte „vernünftigen Grund" vorliegt -  Schmerz und Leid zu. Die Initiative „Schonzeit für Füchse" fordert daher in einer bundesweiten Kampagne eine neunmonatige Schonzeit für Meister Reineke.

„Füchse sind als Gesundheitspolizisten und eifrige Mäusevertilger wichtige Mitlieder des Naturhaushalts", erläutert Lovis Kauertz, einer der Initiatoren der Kampagne. „Wir dürfen nicht hinnehmen, dass sie wie Schädlinge behandelt und jedes Jahr zu Hunderttausenden getötet werden - es wird höchste Zeit, dass  wir Reineke wenigstens ein Mindestmaß an Schutz vor menschlichen Nachstellungen gewähren."

Die These der Übervermehrung von Füchsen sei eine Alibibehauptung: „Sie dient der Rechtfertigung der Fuchsjagd vor den Augen einer kritischer werdenden Öffentlichkeit. Bereits ein kurzer Blick in Jagdzeitschriften oder Jagdforen im Internet zeigt dagegen unmissverständlich auf, dass es in Wirklichkeit vor allem um die Lust an der Fuchsjagd geht."

19.01.2011

Einladung zum gemeinsamen Spaziergang im Rehdener Moor

Das Rehdener Geestmoor wird geschützt durch die beiden Naturschutzgebiete "Rehdener Geestmoor" sowie "Rehdener Geestmoor – Regenerationsgebiet". Es liegt ca. drei Kilometer südlich von Rehden. Der das Moorzentrum umgebende Bereich wurde mit seinen Moor-, Wald- und Grünlandflächen als Regenerationspool für Pflanzen- und Tierarten des Hochmoores unter Schutz gestellt. In den letzten Jahren hat das Moor als Kranichrastplatz stark an Bedeutung gewonnen.

Nun soll in diesem Naturschutzgebiet „Rehdener Geestmoor" am 29. Januar 2011 ab ca. 10:00 Uhr eine groß angelegte Treibjagd auf Schwarzwild und Füchse stattfinden. Wir hoffen auf rege Teilnahme an dem gemeinsamen Spaziergang durch dieses schöne Naturschutzgebiet. Treffpunkt ab 9h00 am Aussichtspunkt 1 im Rhedener Geestmoor. Eine kurze Benachrichtigung bzgl. der Teilnahme an golf5.forum@wichtig.ms ist erwünscht.

Wegbeschreibung (liegt im Großraum Bremen - Osnabrück - Hannover)

16.01.2011

Droht den deutschen Wäldern das Aus?


von Dominik Storr
Wie der deutsche Wald unter dem Deck-mantel „Charta für Holz" nach China verkauft wird
Das Bayerische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat still und heimlich ein internes Strategiepapier entwickelt, um möglichst viel Umsatz mit den heimischen Wäldern zu erzielen. Die so genannte „Charta für Holz" soll auf alle Bundesländer übertragen werden. Das so erwirtschaftete Geld wandert vor allem in die Kassen der klammen Bundesländer und der wenigen Großgrundbesitzer, für die das Ganze ein Milliardengeschäft ist. Nicht umsonst sitzt Philipp Freiherr von und zu Guttenberg im Deutschen Forstwirtschaftsrat, dem übrigens auch Ministerialdirigent Georg Windisch angehört. Georg Windisch ist Mitarbeiter des Bayerischen Staatsministeriums und wird von Insidern als „Drahtzieher" dieses Planes ausgemacht.

Deutscher Wald nach China? Bild: Malene Thyssen


„Charta für Holz" gleicht Kahlschlagspolitik

Die „Charta für Holz" sorgt dafür, dass der finanziell lukrative Baumbestand aus den Wäldern geschlagen und wegen der großen globalen Nachfrage vor allem nach China verschifft wird. So verkaufte ein einzelnes deutsches Fortsamt jüngst 50 Lastwagen-Lieferungen an Buchenholz nach China, das dort unter anderem zur Produktion von Essstäbchen verwendet wird. Nach Aussagen von Forstbeamten werden bereits über 40 Prozent des deutschen Rotbuchenholzes ins Ausland verkauft. Für die kahlgeschlagenen Flächen gibt es hinterher hohe Subventionen.   
 
Um Kahlschlagspolitik ranken sich Märchen
Damit diese Kahlschlagspolitik in der Öffentlichkeit auf keinen breiten Widerstand stößt, haben die staatlichen Behörden viel Geld in die Öffentlichkeitsarbeit gesteckt, die ihr Ziel auch nicht verfehlt hat. Die Kahlschlagspolitik, ein Geldsegen für wenige Profiteure, hat durch Slogans wie „Wald vor Wild", „Waldverjüngung" oder „CO2-Klimaschutz" nicht nur breiten Einzug in Politik, Medien und Gesellschaft erhalten, sondern darüber hinaus auch noch eine „grüne" Note. Was jedoch gegenwärtig in den deutschen Wäldern geschieht, ist der stellenweise schon vollzogene Schritt in eine rein profit- und technikorientierte Waldagrarlandschaft, die mit einem naturnahen oder nachhaltigen Wald nichts mehr zu tun hat.

30 Milliarden Euro Umsatz jährlich allein in Bayern
Alleine in Bayern erzielt der Sektor Forst, Holz und Papier einen jährlichen Umsatz von ca. 30 Milliarden Euro. Ziel der „Charta für Holz" sei es, den Verbrauch von Holz noch einmal um 20 Prozent zu steigern. Sollte diese Charta vollends umgesetzt werden, wird in nur wenigen Jahren für die kommenden Generationen nicht mehr viel vom deutschen Wald übrig sein.

14.01.2011

Blind, taub und stumpf

Heiko Hornung (Chefredakteur), Wild und Hund 6/2010
... wie diejenigen, die in diesem Winter Ende Januar bis Mitte Februar mit dem Argument jagten: "Wir müssen noch Abschüsse erfüllen und auch den Sauen nachstellen." Gesetzlich erlaubt oder nicht: Wer kein Gefühl mehr hat, für das Wild, das in dieser Zeit Not leidet, vielleicht sogar schon Frischlinge im Kessel hat oder zumindest dick geht, im verharrschten Schnee einbricht, sich die Läufe wund schlägt bis es entkräftet und schweißend vom Raubwild oder dem Hund den Garaus gemacht bekommt, der ist ein widerlicher Schinder und hat keinen Anstand. Ein Jäger ist er nicht!

Bache mit Frischling


13.01.2011

Aktionsbündnis Jagdfreie Natur präsentiert sich anlässlich der Messe Jagd und Hund in Dortmund

Wenn im Februar die Lodenträger zur deutschen Meisterschaft der Hirschrufer pilgern wird sich auch das auf Initiative der Partei Mensch Umwelt Tierschutz gegründete Aktionsbündnis Jagdfreie Natur erstmals der Öffentlichkeit präsentieren. Vielleicht nicht so nobel wie die Jagdgesellschaft, dafür aber mit guten Argumenten insbesondere gegen die Fallenjagd und das Abschießen von Hund und Katz. Denn das sind die Kernthemen, welche sich die bislang 14 Organisationen aus den Bereichen Tierschutz, Tierrechte, Naturschutz und Politik auf die Fahnen geschrieben haben.

Jedes Jahr werden etliche 'zig Tausend Hunde und Katzen Opfer von Jägern. Die Scheinargumentation für den Abschuss von Katzen reicht von "populationsgefährdend" für Singvögel bis zu "Bastardierung" von Wildkatzen. "Tatsache ist, dass seriöse wissenschaftliche Studien keineswegs die Behauptungen der Jäger auch nur andeutend belegen" sagt Stefan Eck, der Bundesvorsitzende der Partei und Initiator des Aktionsbündnisses.

Für viele Jäger sind Katzen Freiwild
Dass in Deutschland immer noch mit Fallen gejagt wird, ist den wenigsten Menschen bekannt und wird von den meisten abgelehnt. Mit gutem Grund - denn erstens kann mittels Fallen nicht selektiv gejagt werden, weshalb z.B. auch Katzen Opfer von Fallen werden, zweitens sind Lebendfallen für viele Tiere mit Stress und Verletzungsgefahr z.B. bei Ausbruchversuchen behaftet und drittens werden durch Totschlagfallen Tiere, welche zu groß oder zu klein für den entsprechenden Fallentyp sind, häufig schwer verletzt.

Die für jedermann offene Veranstaltung des Aktionsbündnisses findet am 5. Februar 2011 auf dem Reinoldikirchplatz in Dortmund statt. Neben dem informativen Part wird auch für das leibliche Wohl gesorgt sein.

Mitglieder des Bündnisses Jagdfreie Natur sind:
Partei Mensch Umwelt Tierschutz
Pro Iure Animalis
Natur ohne Jagd e.V.
JagdAberFair
PAKT Politischer Arbeitskreis für Tierrechte in Europa e.V.
Tier-Time e.V.
Music for Animal Rights
WITAS Wildtier- und Artenschutz Saar e.V.
ARGUS e.V.
Tierfreunde Fulda
Animal Alliance
Deutsche Tierschutz Union e.V.
Initiative zur Abschaffung der Jagd

11.01.2011

Bundesweite Initiative fordert Einstellung der Massentötung von Füchsen

Vielerorts finden dieser Tage so genannte „Fuchswochen" statt, bei denen Füchsen über mehrere Jagdreviere hinweg mit allen verfügbaren Mitteln nachgestellt wird. Die Initiative „Schonzeit für Füchse" fordert die zuständigen Ministerien auf, Fuchswochen schon während der Paarungszeit im Januar und Februar zu unterbinden.


Die „Fuchswochen", bei denen unter Zuhilfenahme revierloser Jäger revierübergreifend oft Dutzende von Füchsen getötet werden, finden vornehmlich im Januar und Februar statt. In der winterlichen Paarungszeit sind die Füchse weitaus weniger vorsichtig als sonst, und der Schnee macht sie und ihre Spuren leichter sichtbar. Die getöteten Tiere werden größtenteils verscharrt oder in der Tierkörperbeseitigung entsorgt – kritische Jäger sprechen bereits vom Rotfuchs als „Wegwerfartikel Nummer eins" in unseren Wäldern (ÖJV Saar).


Als Begründung für die Veranstaltung von Fuchswochen wird meist angeführt, man müsse die Fuchspopulation „regulieren", etwa, um der Ausbreitung von Seuchen (Tollwut) und Fuchsbandwurm Einhalt zu gebieten. Tatsächlich kann man die Fuchsdichte mit jagdlichen Mitteln jedoch keineswegs kontrollieren: Je mehr Füchse durch Jagd oder Unfälle sterben, desto stärker steigt die Geburtenrate. Andersherum führt eine sinkende Sterblichkeit durch soziale Regulationsmechanismen zu weniger Nachwuchs. Von einer wie auch immer gearteten Notwendigkeit, Füchse zur vermeintlichen Bestandsreduktion zu bejagen, kann also keine Rede sein.

Opfer der Fuchswoche werden zur Tierkörperbeseitigung gekarrt (c) B. Pelli
Dabei verursachen gerade die Fuchswochen viel unnötiges Tierleid. Zum einen sorgt die intensive Jagd gerade jetzt im Winter, wo Wildtiere mit ihrer Kraft haushalten müssen und nicht unnötig beunruhigt werden sollten, für massive Störungen in Wald und Feld. Darüber hinaus können die zahllosen Fuchsrüden, die nach der erfolgreichen Paarung mit einer Füchsin getötet werden, ihre wichtige Rolle bei der Aufzucht des Nachwuchses nicht mehr erfüllen. Wie Forschungsarbeiten jedoch unmissverständlich zeigen, sinken Überlebenschancen und Kondition der Welpen deutlich, wenn der Fuchsvater die Familie nicht mit Nahrung versorgen und vor Konkurrenten schützen kann.

Der Fuchs ist ein hübscher und intelligenter, mit unseren Haushunden verwandter Beutegreifer, der als Gesundheitspolizist und Mäusejäger wichtige Dienste leistet. Umso unverständlicher ist, warum er wie ein Schädling verfolgt und ihm in den meisten Bundesländern nicht einmal eine Schonzeit zugestanden wird.

Im Rahmen der kürzlich formierten bundesweiten Initiative „Schonzeit für Füchse" (www.schonzeit-fuer-fuechse.de) haben Tier- und Naturschutzorganisationen den Bund und die Länder nun aufgefordert eine Schonzeit von Anfang Januar bis Ende September zu erlassen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass auch Reineke Fuchs seinen Nachwuchs ungestört von menschlichen Nachstellungen großziehen kann.

In diesem Zusammenhang verweist die Initiative auch darauf, dass sich Veranstalter von Fuchswochen und teilnehmende Jäger durch die Störung des Wildes im Rahmen der Fuchswochen unter Umständen einer Ordnungswidrigkeit nach dem Bundesjagdgesetz schuldig machen. Ferner sei selbst ein Straftatbestand wegen des Verstoßes gegen die Schonung der für die Aufzucht erforderlichen Elterntiere nicht auszuschließen.

Kampagnen-Webseite: http://www.schonzeit-fuer-fuechse.de/
Weiterführende Informationen sowie Quellennachweise zur Vaterrolle des Fuchsrüden 
Anschreiben an die Ministerien
Pressemitteilung vom 04.01.2011: Bundesweite Initiative fordert Schonzeit für Füchse
Pressemitteilung vom 20.01.2011: Organisationen aus ganz Deutschland weisen auf die Sinnlosigkeit der Fuchsjagd hin

10.01.2011

Der Luchs erobert unsere Wälder zurück

von Maria Herzger

Der Luchs wurde in Deutschland einst stark verfolgt und vor ca. hundert Jahren durch den Menschen gnadenlos ausgerottet. Zum einen wurde die Großkatze mit den markanten Pinselohren und dem auffallend kurzen Stummelschwanz als Jagdschädling und Beutekonkurrent angesehen, andererseits wurde dem Luchs sein hübsch gezeichnetes Fell zum Verhängnis und galt damals als begehrte Jagdtrophäe. Zur Freude vieler Umwelt- und Naturschützer erobert sich der scheue Jäger einst verlorenes Territorium auf leisen Samtpfoten in unseren Breiten zunehmend zurück.

Wildtier des Jahres 2011   Luchse benötigen weitläufige und naturnahe Wälder mit dichtem Unterholz, gerne mit felsigen Hängen, so dass sie u. a. im Harz, Pfälzerwald, Spessart, Böhmerwald, Bayrischen Wald, Fichtelgebirge, Schwarzwald und in der Sächsischen Schweiz wieder vereinzelt durch die Wälder streifen. Der Luchs wurde von der „Schutzgemeinschaft Deutsches Wild" zum Wildtier des Jahres 2011 gekürt. Die äußerst hübsche und in ihrer Existenz stark gefährdete Großkatze wird in zwei Arten unterschieden, den eurasischen Nordluchs und den nordamerikanischen Rotluchs.

Eurasischer Luchs, lat. Lynx lynx, Bild Bernhard Landgraf
Jungluchse sind besonders gefährdet   Der Nordluchs durchstöbert sein Jagdrevier als Einzelgänger. Männchen und Weibchen sind lediglich zur Paarungszeit im Frühjahr in gemeinsamer Zweisamkeit anzutreffen. Gut 10 Wochen nach der Paarung werden zwischen zwei und vier Jungen geboren. Diese verlassen erst im darauf folgenden Jahr ihre Kinderstube, um eigene Reviere zu gründen, welche bei Männchen die stattliche Fläche von bis zu 400 Quadratkilometern beanspruchen können, bei Weibchen etwas weniger. In den ersten Lebensjahren ist bei den Jungluchsen eine erhebliche Sterblichkeitsrate zu verzeichnen, ihr Fortbestand gilt somit als nicht gesichert, da viele Gefahren auf sie lauern. Neben Krankheiten und Fressfeinden stellt der Mensch einen nicht unerheblichen Risikofaktor für die jungen Waldschönheiten dar. Auf ihrem Speiseplan stehen in erster Linie Rotwild, Wildschweine, Marder, Hasen aber auch gelegentlich Füchse, Vögel und Mäuse.

Hübsches Pinselohr mit ausgeprägten Sinnen   Die Redensart „Augen wie ein Luchs" zeugt von dem besonderen Sehvermögen der schönen Raubkatze. Immerhin kann der Luchs mit sechsfach lichtempfindlicheren Augen als der Mensch aufwarten und sich dadurch auch in der Dunkelheit gut orientieren. Die großen Ohren mit den wie Antennen anmutenden Ohrenpinseln, verleihen der Raubkatze die außergewöhnliche Fähigkeit, mögliche Beute noch aus weiter Entfernung zu orten. Neben exzellenter Sehkraft und hervorragendem Gehör verfügt der Luchs über einen brillanten Geruchssinn, der seine herausragenden Sinne abrundet und ihn zum außergewöhnlichen Jäger befähigt.

Mit einer Körperlänge von ca. 120 cm und einer Schulterhöhe 50 bis 70 cm ist der scheue Jäger die größte Wildkatze Europas. Der charakteristische Stummelschwanz ist allerhöchstens 20 cm lang. Kennzeichnend für die Katze mit dem weißen Backenbart sind die besonders großen Pranken, auf denen der rund 20 Kilo schwere Luchs auch im Winter trittsicher durch unsere Wälder streift, ohne tief im Schnee einzusinken. Seine auffallend gefleckte Fellzeichnung ist so einzigartig wie ein menschlicher Fingerabdruck.

Lobby für Luchse und Wildtiere nötig    Die rasant voranschreitende Zersiedelung zusammenhängender Waldstücke, wie auch die stetige Reduzierung von an den Wald angrenzenden Feldlandschaften mit geeigneten Unterschlupfmöglichkeiten, führt dazu dass der Lebensraum vieler Wildtiere im Eiltempo dahinschwindet und somit ihren Fortbestand dramatisch gefährdet. Demzufolge wird auch die Wiederansiedlung der Luchse erheblich erschwert. Intensive Lobbyarbeit und Artenschutzprojekte von Umwelt- und Naturschützern sind daher dringend von Nöten, um Flächen zu kaufen, die das Lebensumfeld und die ausgiebigen Wanderrouten von Luchs & Co. sichern bzw. erweitern. Die Schaffung sogenannter Grünbrücken leistet hierbei einen wichtigen Beitrag, viele Wildtiere beim Kampf ums Überleben zu unterstützen. Ohne diese wichtigen Wildkorridore droht ihnen beispielsweise beim Überqueren von Straßen akute Lebensgefahr.

Ebenso versuchen Biologen und Tierschützer anhand von Senderhalsbändern und per Bewegungsmelder-gesteuerten Kameras, mehr über die Aufenthaltsorte und die Wanderrouten sowie die Lebensgewohnheiten der Großkatzen in Erfahrung zu bringen.

Artenschutz gibt es nicht umsonst    Das Zurückkommen der seltenen Raubkatze trifft keinesfalls auf grenzenlosen Beifall, denn auch in der heutigen Zeit sind Konflikte seitens der Jägerzunft vorprogrammiert. Nach wie vor wird der Luchs als Jagdkonkurrent angesehen. Durch Verringerung der erlaubten Wildabschussquoten und eventueller Umsiedlungen der im Bestand stark bedrohten Luchse, ließe sich nach Ansicht von Umweltschützern der unendlich andauernde Interessenkonflikt zwischen Jägern und Luchsen entschärfen. Nur mit tatsächlichem „Goodwill" aller Beteiligten wie Jägern, Landwirten und Naturschützern, ist das Wiederansiedlungsprojekt des Luchses realisierbar und möglicherweise auch erfolgversprechend. Der Luchs ist entgegen der früher weit verbreiteten Meinung für den Menschen nicht gefährlich.

07.01.2011

Großtrappe in Sachsen-Anhalt geschossen

von Werner Hupperich
Soeben erreichte mich aus zuverlässiger Quelle die Information, dass am 3. Januar 2011 in Sachsen-Anhalt von einem Jäger eine Großtrappe aus einer Gruppe von 12 Tieren geschossen wurde. Nach derzeit vorliegenden Informationen handelte sich um einen in den Belziger Landschaftswiesen ausgewilderten Jungvogel von 2010. Als Grund für den Abschuss soll dem Jäger der Umstand gedient haben, dass die Großtrappe bei seiner Annäherung nicht geflüchtet sei.

Um so unverständlicher erscheint es, warum das Tier – wenn der Jäger schon mutmaßt, dass es mangels Fluchtreflex „krank" sein müsse – dann nicht eingefangen und einem vogelkundigen Veterinär übergeben wurde.

Deutlich wird durch diesen neuerlichen Fauxpas – es besteht wahrlich kein Mangel an Fallbeispielen für jagdliches Fehlverhalten - zuvorderst, dass es neben fachlichen Defiziten (mangelnde Artenkenntnis) eben in nicht minder erschreckend vielen Fällen psychologische Defizite (mangelndes Urteilsvermögen) sind, welche sich einem als einzig verbleibende Erklärung geradezu aufdrängen.

Um so mehr stellt sich die Frage, wie sich solch ein offenkundiger Mangel an Urteilsvermögen mit der vom Gesetzgeber geforderten Zuverlässigkeit zum Führen einer Schusswaffe in Einklang bringen lässt. Am 20. Dezember wurden in Grünwald an der Isar mindestens 9 zahme Höckerschwäne von 6-8 Jägern vor den Augen entsetzter Anwohner und Passanten geradezu exekutiert. Hierzu erhielt ich heute von einer Zeugin noch die Information, dass die Jäger dort eigens eine Futterstelle (Blechteller mit Mais) für die Schwäne angelegt und unterhalten wurde. Niederträchtiger kann man meines Erachtens kaum mehr zu Werke gehen: In der linken Hand das Futter, in der rechten das Gewehr.

Es geht – und das lässt immerhin hoffen – offenbar längst nicht nur mir so, dass die viel gepriesene „Waidgerechtigkeit" faktisch nichts anderes als eine hohle Phrase darstellt, hinter welcher sich zunehmend Psychopathen zu verschanzen pflegen. „Hege" entlarvt sich zunehmend selbst als rechtfertigende Worthülse für blutrünstige Egomanen.
Die Großtrappe, lat. Otis tarda, ist in Deutschland vom Aussterben bedroht

Thomas Hobbes führte im Leviathan „Dummheit" auf einen „want of understanding", ein mangelndes Vermögen „die Welt angemessen verstehen zu können", zurück. Dieser Mangel scheint mir angesichts der zunehmenden Zahl solcher und ähnlicher Fälle bei der Majorität der Jägerschaft schlechterdings kaum mehr zu leugnen. Dumme Leute gehören vielmehr schleunigst entwaffnet und – so sie dann immer noch eine Gefahr für Andere oder die Umwelt darstellen - unter Aufsicht gestellt.

Weitere Informationen zu diesem Vorfall finden Sie auf http://www.gaensewacht.de/

Tote Großtrappe hat juristisches Nachspiel (update 25.1.2011)

05.01.2011

Grünwald an der Isar - Jäger killen Höckerschwäne

von www.gaensewacht.de 

Vor einem Ausflugslokal in Grünwald wurde am 20.12. 2010 vormittags von 6-8 Jägern eine brutale Jagd veranstaltet, bei welcher vorwiegend Enten, aber auch Blässrallen so wie sämtliche sich dort aufhaltenden Schwäne abgeschossen wurden.

Geschossen wurde von den Jägern überwiegend mit Bleischrot der Handelsbezeichnung Fortuna cal. 12/70 und Waidmannsheil cal. 12/70. Die Hülsen der Schrotmunition wurden von den Jägern achtlos weggeworfen und konnten vom Augenzeugen sichergestellt werden.

Die Tiere befanden sich während des Beschusses auf dem Gewässer, wo sie anschließend sterbend zum Wehr trieben und erst dort von den Jägern aus der Isar gefischt wurden.

Im Folgenden der Bericht des Augenzeugen im Volltext:

Jäger schießen in Grünwald Schwäne tot – tote Schwäne treiben auf der Isar, ganze Familien

Die anwohnenden Menschen füttern diese Tiere, sie haben sogar von den Kindern Namen bekommen. Man begleitet sie durchs Jahr, sieht wie die Jungen heranwachsen und Privatpersonen übernehmen die Fütterung im Winter. Wenn man am Damm spazieren ging, begleiteten die Schwanfamilien die Spaziergänger schwimmend. Sie waren absolut zutraulich. Jetzt sind sie alle tot! 

Bei den drei Schwänen auf diesem Bild handelt es sich um eine Familie, Eltern mit einem noch nicht ausgewachsenen Jungen. Aufgenommen wurde das Foto von der Brücke.

Datum  Montag vormittag, 20.12.2010
Ort:      Isar-Brücke zwischen Grünwald und Pullach
            GPS: N 48.042838, E 11.515387
            Im Wohngebiet am Lokal „Brückenwirt"
Zeugen: Spaziergänger, Restaurant
Uhrzeit: 9.00 – 11.00 Uhr vormittags

3 Jagdfahrzeuge mit ca. 8 Personen im Jägermontur, bewaffnet, Hunde

Schießen auf dem Damm und am Wasser entlang Enten, Blässhühner, und vor allem Schwäne, ALLE  Schwanfamilien mit Jungtieren tot. Lassen diese im Wasser sterbend in der Isar treiben zum Wehr. Sie fahren mit den Fahrzeugen am Wasser entlang und holen die grausam verendenden Tiere am Wehr aus dem Wasser.

Die verendenden Schwäne werden zu einem Berg aufgetürmt, Junge waren dabei, aus dem Schnabel blutend, ein fürchterlicher Anblick. Alle Schwäne tot oder am Sterben, es gab keine lebenden Tiere mehr. Ich habe alleine bei meiner Ankunft ca. 9 Schwäne gezählt, die da lagen. Ob schon mehr in die Autos verräumt worden waren weiß ich nicht.

Jäger halten ausgerupfte Federn in der Hand – sind das Trophäen?

Diese Tiere waren zutraulich und wir Anwohner konnten uns jeden Tag an ihrem wunderschönen Anblick erfreuen. Es lebten hier nur wenige Schwäne, hin und wieder ein Pärchen auf weite Strecken. Warum man diese massakriert, verstehen wir nicht.

Es ist ein Akt der Barbarei und regt die Bürger auf:
•           Schießen im Wohngebiet
•           Grausames verenden lassen der Tiere im Wasser
•           Unsinniges Töten aller Schwäne vor Ort
•           Schiessen mit Bleimunition

In der Innenstadt ruft man die Tierrettung wenn man einen verletzten Vogel findet. Hier werden sie am helllichten Tag im Wohngebiet abgeknallt!

04.01.2011

Bundesweite Initiative fordert Schonzeit für Füchse

Der Rotfuchs gehört in Deutschland zu den wenigen Wildtierarten, die ganzjährig bejagt werden – ohne dass es für diese intensive Verfolgung einen stichhaltigen Grund gäbe. Organisationen aus ganz Deutschland haben daher eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, in der sie die Einführung einer umfassenden bundesweiten Schonzeit für Füchse fordern.

Fuchsmutter mit Welpe (c) Luise Dittombée


Etwa 600.000 Füchse werden in Deutschland jedes Jahr erlegt. Der Rotfuchs ist eine der wenigen einheimischen Wildtierarten, die in den meisten Bundesländern ganzjährig bejagt werden. Dabei kommen auch besonders umstrittene Jagdarten wie die Bau- oder die Fallenjagd zum Einsatz. Da Fuchspelze kaum noch gefragt sind, werden die meisten erlegten Füchse kurzerhand in der Tierkörperbeseitigung entsorgt.

Anders als vom Deutschen Jagdschutz-Verband (DJV) und seinen Landesverbänden behauptet, kann von einer wie auch immer gearteten Notwendigkeit, Füchse zur Bestandsreduktion zu bejagen, keine Rede sein. Neben Tier- und Naturschutzorganisationen fordern daher auch kritische Jäger seit Jahren die Einführung einer Schonzeit für Füchse. Das Saarland ist dieser Argumentation im letzten Jahr bereits mit dem Beschluss einer sechsmonatigen Jagdruhe gefolgt.

Um der Forderung nach einer umfassenden Schonzeit für den Fuchs weiteren Nachdruck zu verleihen, haben Organisationen aus ganz Deutschland eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Die vierzehn bislang beteiligten Organisationen und Initiativen – darunter die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, Naturefund e.V. und die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) – begründen darin, warum eine bundesweite Schonung des Fuchses von Januar bis September längst überfällig ist. Der Wortlaut der Erklärung samt den sich daraus ergebenden Forderungen findet sich auf der eigens eingerichteten Webseite http://www.schonzeit-fuer-fuechse.de/. An dieser Stelle werden auch die Unterstützer der Intitiative veröffentlicht und Quellen angegeben, welche die Argumentation wissenschaftlich untermauern. 
 
In den nächsten Monaten sollen weitere Veröffentlichungen über den Fuchs und die Fuchsjagd informieren. „Wir waren von der durchweg positiven Resonanz auf dieses Projekt überwältigt", erläutert Lovis Kauertz, einer der Initiatoren der Erklärung. „Es ist schon abzusehen, dass sich in den nächsten Wochen weitere Organisationen der Initiative anschließen werden."
    Kampagnen-Webseite: http://www.schonzeit-fuer-fuechse.de/
    Pressemitteilung vom 11. Januar 2011: Bundesweite Initiative fordert Einstellung der Massentötung von Füchsen

    27.12.2010

    Harte Zeiten für Wildtiere - Jagd stört die Winterruhe

    Der Landesjagdverband Baden-Württemberg ruft in einer Pressemeldung "Harte Zeiten für Wildtiere" vom 30.11.2010 Spaziergänger und Natursportler dazu auf, auf den Wegen zu bleiben und das Wild nicht zu stören. Der im Winter verminderte Stoffwechsel erfordert besondere Ruhe für Wildtiere. Jede Störung des Wildes verbraucht dringend für diese nahrungsarme Zeit benötigte Ressourcen. Von Jägern, die massiv in die Winterruhe der Tiere eingreifen, kein Wort vom Landesjagdverband.

    Am 6.12. berichtet die Südwestpresse über eine Bewegungsjagd mit 80 Jägern und 40 Treibern mit ihren Hunden bei großer Kälte und Schneelage bis 60 cm. Der Schwarzwälder Bote beschreibt am 21. Dezember eine großräumige revierübergreifende Bewegungsjagd mit 200 Jägern, 100 Treibern und mindestens 70 Hunden und eine weitere Drückjagd mit 35 Teilnehmern bei hoher Schneelage.

    Jagdpresse und beispielsweise der Kreisjägermeister von Aachen berichten übereinstimmend davon, dass es schon bei nicht winterlichen Bedingungen bei Drück- und Treibjagden keineswegs immer tierschutzkonform zugeht. Das Wild ist häufig hochflüchtig, eine genaue Ansprache (welches Geschlecht, wie alt) ist kaum möglich, die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit ein Tier tödlich zu treffen liegt bei 1:4 bis 1:3.

    Opfer einer Treibjagd
    Der Sonderdruck "Wildbrethygiene" des Deutschen Landwirtschaftsverlages (2008) zitiert Untersuchungen, die eine Blattschussquote von lediglich 25-30 % bei Bewegungsjagden ergaben. Das heißt im Umkehrschluss dass bei vielen Tieren zunächst "nur" die Keule (das Bein) durchschossen wird, der Rücken verletzt wird, die Bauchdecke aufgeschossen wird. Weil es Jäger gibt, die nicht zu ihren Fehlschüssen stehen und eine Nachsuche ermöglichen, gibt es auch etliche Tiere, die einfach im Wald zugrunde gehen.

    Der Landesjagdverband weiß es und seine Revierpächter ebenfalls: Winterruhe ist für viele Wildtiere eine Überlebensstrategie in harten Zeiten. Hirsche und Rehe reduzieren im Winter ihre Körpertemperatur, um Energie zu sparen. Sie stehen oft bewegungslos in der Landschaft. Ihr Herz schlägt statt 60 bis 70 Mal jetzt nur 30 bis 40 Mal in der Minute. Die Reaktionsfähigkeit ist stark herabgesetzt. Man spricht in diesem Zusammenhang oft von Winterstarre, die auch hilft die kalten Temperaturen zu ertragen. Werden die Tiere gestört und zur Flucht gezwungen, fährt der Körper den reduzierten Stoffwechsel hoch. Das Resultat: Die Tiere müssen hungern, weil es nicht genug zu fressen gibt. Oder sie fressen notgedrungen Knospen und Baumrinde und richten Schäden im Wald an.

    Im Winter brauchen Wildtiere Ruhe mehr als alles andere und sind lediglich bei Störungen auf zusätzliche Fütterung angewiesen. Ein vollkommener Verzicht auf die Jagd in den Wintermonaten wäre nicht nur im Sinne des Tierschutzes, es wäre womöglich auch im Sinne des Waldes.

    Lediglich in Niedersachsen besteht derzeit per Gesetz die Möglichkeit während einer so genannten "Notzeit" ein vollständiges Ruhen der Jagd anzuordnen. In Baden-Württemberg und anderen Ländern können Revierpächter lediglich dazu verpflichtet werden, das Wild zu füttern und in unmittelbarer Umgebung der Fütterung zu schonen.

    Der Landesjagdverband Baden-Württemberg, der zwar Wald-Spaziergänger zur Einhaltung der Wege gemahnt, war zu einer Stellungnahme zur winterlichen Störung des Wildes durch die Jagd in seinem Bundesland leider nicht bereit. Auch will er keine Empfehlung an seine Jäger aussprechen zumindest in Notzeiten gänzlich auf die Jagd zu verzichten, wie es derzeit zum Beispiel in Teilen von Niedersachsen gehandhabt wird. Die nächsten revierübergreifenden Jagden sind nicht nur in Baden-Württemberg bereits für den Januar angesetzt.

    26.12.2010

    Rotfuchs von Rolf Tingler, 2010, Acryl auf Leinweind

    Aus "Freundschaft mit der Erde - der indianische Weg"

    gefunden bei terra-animalis.de

    Der alte Mann hatte unser Auto wohl schon Dutzende Male angehalten, um hinauszuklettern und die kleinen Kröten aufzulesen, die - vom Scheinwerferlicht geblendet -  wie lebendige Regentropfen auf der Straße hüpften. 

    Regen fiel, sein weißes Haar leuchtete im Nebel, und ich sagte immer wieder: „Du kannst sie nicht alle retten, finde dich damit ab, steig wieder ein, wir müssen weiter, wir haben ein Ziel ..."  

    Er aber, die ledrigen Hände voll von nassem braunen Leben, knietief im Sommergras an der Straßenböschung stehend, er lächelte nur und sagte: „Auch sie müssen weiter, auch sie haben ein Ziel."

    Erdkrötenmännchen im Wasser


    Aktion "Kröten für die Füchse"

    23.12.2010

    Weihnachtspost von Maja Prinzessin von Hohenzollern

    Maja Prinzessin von Hohenzollern ist Tierschutzbotschafterin EUROPÄISCHER TIER- UND NATURSCHUTZ e.V. (ETN) 

    Vor Gott sind alle Geschöpfe gleich, in der katholischen Kirche haben Tiere jedoch keinen Platz. 

    Immer wieder erleben wir in unserer Tierschutzarbeit, wie grausam und brutal mit Tieren umgegangen wird. Besonders in Süd- und Osteuropa, also in den katholisch- orthodoxen Ländern, müssen wir immer wieder erleben, dass ausgesetzte Hunde und Katzen auf der Straße ihrem Schicksal überlassen werden, ohne Liebe und Fürsorge, meist Opfer von Hunger, herannahenden Autos oder brutaler Gewalt werden. So viele von ihnen werden geschlagen, eingesperrt, ein Leben lang an der Kette gehalten und misshandelt. Wie oft fand ich in Spanien schon Hunde und Katzen, denen man die Augen ausgestochen, die Schwänze oder die Ohren
    abgeschnitten hatte. Von den Tiertötungsstationen, den „Perreras", in denen jedes Jahr hunderttausende Tiere teils bei lebendigem Leib verbrannt werden, ganz zu schweigen.

    Letztes Jahr beendeten wir mit dem ETN e.V. ein Hundemassaker in Rumänien, wo man circa dreihundert Hunden pro Tag mit dem Spaten den Schädel einschlug. Seit 2004 sind in Rumänien circa zehn Millionen (!) Straßenhunde auf brutale Weise ermordet worden. Ginge es um Menschen, würde man hier sicher von „Völkermord" sprechen.

    
    Dänische Kalenderkerze, Bild Malene Thyssen
     In Italien kämpfen wir gerade zusammen mit dem ETN e.V., Tasso e.V. und dem bmt e.V. gegen die entsetzlichen „Canili", in denen ca. 550.000 Hunde und Katzen auf engstem Raum in riesigen Lagerhallen zusammengepfercht sind und dort ohne medizinische Betreuung, verwundet, halb verhungert und ohne Zuwendung zugrunde gehen.
    (Bitte helfen Sie diesen Tieren und unterzeichnen Sie unsere Petition „Canili"): http://www.tasso.net/Helfen/Aktionen-unterstutzen/Todeslager-in-Italien

    In Ungarn und Polen kommen tausende Welpen zu Tode, die als billige „Wühltischware" im Akkord gezüchtet und viel zu früh von ihren Müttern weggerissen werden, um sie auf Wochenmärkten in Deutschland zu verhökern.

    Immer wieder suchen wir nach Ursachen, warum Menschen Tiere so grausam behandeln. Und tatsächlich findet man in der katholischen Kirche eine Ursache für den schlimmen Umgang mit Tieren in Süd- und Osteuropa. Die katholische Kirche spricht Tieren nämlich eine Seele und Anspruch auf Fürsorge ab. Sie degradiert sie damit zu einer gefühllosen Sache, und genauso werden die Tiere dann oft auch behandelt.

    Deshalb fordern wir „unseren" deutschen Papst, der eigentlich eine andere Herzensbildung in Bezug auf Tiere haben sollte, immer wieder dazu auf, endlich anzuerkennen, dass Tiere Teil der Schöpfung sind und selbstverständlich eine Seele haben. Würde er dies in nur einem Satz in seiner „Urbi et Orbi"-Rede sagen und seinen Priestern als Botschaft mit auf den Weg geben, dann könnte er Millionen Tieren das Leben retten. Wenn er wollte.

    Leider haben sich weder der Papst noch die vom ETN e.V. angeschriebenen sechszehn Bistümer in Deutschland zur Zusammenarbeit im Tierschutz bereit erklärt und sich auch nicht zum Wohle der Tiere geäußert. Stattdessen erhielten wir die Antwort aus dem Vatikan:

    „In der katholischen Kirche haben Tiere keinen Platz". Ein Satz wie ein Faustschlag und das Todesurteil für Millionen von Tieren. Möglicherweise hätten Tiere einen anderen Status, wenn sie Kirchensteuer zahlen würden.

    Dabei lässt sich eine Ethik, die den Tieren eigene Rechte gegenüber den Menschen zugesteht, biblisch begründen. Wir fordern die Kirche daher auf, endlich moralische Verantwortung für das zu übernehmen, wofür sie vorgibt, einstehen zu wollen, nämlich für alle Geschöpfe der Erde, so wie es unmissverständlich aus der Bibelschrift hervorgeht.

    Wenn ich in die Augen meiner Hunde schaue, die ich alle zehn aus den Fängen brutaler Tierquäler gerettet habe, dann weiß ich ganz bestimmt, dass sie eine Seele haben. Bei manchen Menschen bin ich mir jedoch nicht so sicher.

    Schließen Sie bitte unsere Tiere in Ihre Gebete mit ein, und denken Sie auch am Heiligen Abend an sie, denn sie gehören zu uns und bereichern unser Leben.

    Herzlichst Ihre Maja Prinzessin von Hohenzollern, ETN-Botschafterin
    P.S.: Bei mir gibt es zu Weihnachten sicher keine Ente oder Gans aus Massentierhaltung, und an meinem Weihnachtsbaum hängen auch dieses Jahr wieder ein paar Hundeleckerlis mit roter Schleife.

    21.12.2010

    Jagd im vereisten Deichvorland

    von Dieter Stolz
    Im Naturschutzgebiet Petkumer Deichvorland ist Jagdsaison. Dies ist schon an sich unverständlich, denn wie kann ein Naturschutzgebiet gleichzeitig Jagdrevier sein? Aber zur Zeit ist die Lage dort besonders problematisch. Das ganze Vorland und die Schlickwatten sind vereist. Nur an einigen Süßwasserstellen auf der Muhde rasten einige Tausend Enten und Gänse verschiedener Arten. Beim ersten Schuss fliehen die Wasservögel. Aber wo sollen sie hin? Alles ist im Binnenland vereist. Den Wasservögeln bleibt nur die Ems.
    Gänse am Naturschutzgebiet Ost bei Petkum, 19.12.2010. Foto: Eilert Voß
    Dieter Stolz, Sprecher der Grünen in Emden, bittet die Jäger im Petkumer Deichvorland, dem Vorbild des Kreisjägermeisters des Landkreises Osnabrück, Helmut Spieker, zu folgen. Der hat wegen des anhaltenden Winterwetters offiziell eine Notzeit gemäß dem niedersächsischen Landesjagdgesetz verkündet. Das bedeutet, dass in dieser Zeit in den entsprechenden Revieren bei Osnabrück keine Jagd stattfinden darf und die Jagdpächter sogar verpflichtet sind, für ausreichende artgerechte Ernährung des Wildes zu sorgen.

    Es wäre sicherlich zuviel verlangt, wenn die Jagdpächter am Petkumer Deichvorland jetzt die Gänse füttern müssten, aber die Ruhe sollten den Tieren in dieser für sie so schweren Zeit doch zumindest gegönnt werden. Und auch darin ist sich Dieter Stolz mit dem Osnabrücker Kreisjägermeister einig, wenn der sagt: „Auch wenn die Wetterlage nicht so extrem ist, dass reihenweise Wildtiere sterben würden, müsse jetzt Ruhe im Revier herrschen." Denn noch wichtiger als die Fütterung des Wildes sei die Jagdruhe.

    siehe auch: Harte Zeiten für Wildtiere ...

    20.12.2010

    Christian Wulff zur Fallenjagd


    "Die Behauptung, z.B. Fallenjagd, Treibjagd oder Baujagd sei eine besonders grausame Jagdart, ist unrichtig. Die fachgerecht ausgeübten Jagden berücksichtigen Tierschutzerfordernisse in durchaus angemessenem Maße... Die intensive Ausbildung der Jäger in sämtlichen Jagdarten gewährleistet im übrigen die Einhaltung von Artenschutz-, Tierschutz- und Sicherheitsbelangen."

    Steht für Massentierhaltung und Fallenjagd
    Soviel vom Bundespräsidenten zum Thema Jagd. Christian Wulff war als Ministerpräsident von Niedersachsen auch für eine der wohl größten Massentierhaltungsstandorte in Europa zuständig und verantwortlich für die Fehlbesetzung Grotelüschen. Wirtschaft und Machtinteressen über alles.


    Nicht tierschutzkonforme Aspekte  - um es mal moderat zu formulieren -  aller von Wulff genannten Jagdarten sind zur genüge beschrieben worden. Sowohl die ökologische Sinnlosigkeit der (Fallen-)jagd auf Beutegreifer als auch der Baujagd auf Fuchs und Dachs ist von renommierten Biologen lange belegt. Einzig die Mitgliedsverbände des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV) und Bauernverbände wollen unbedingt daran festhalten - und ihre unbelehrbaren Freunde in der Politik.

    Jagd hat en gros mit Artenschutz nichts und mit Tierschutz überhaupt nichts zu tun. Die Jagd schafft in der Natur nur Probleme, die man anschließend mit der Flinte versucht wieder zu beheben (siehe dazu Statement von Prof. Dr. Reichholf). Der Kanton Genf, in welchem seit 1974 mit wenigen Ausnahmen nicht mehr gejagt wird, macht das mehr als anschaulich. Der Bundespräsident lässt sich auch herab von "intensiver Ausbildung" im Zusammenhang mit der Jagd zu reden - die ist im 10-Tage-Kurs ab € 999 zu haben.

    Da sehnt man sich doch nach einem Theodor Heuss. Unser erster Bundespräsident hatte wohl eine fundamental andere Einstellung zum Leben und den Geschöpfen auf unserem Planeten: "Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit."

    18.12.2010

    Der Mythos von der Berechtigung der Jagd

    von Dr. rer. nat. Guy Hopp
    Kanton Genf, Bild Marc Mogenet













    Gerne werden von Jägern irgendwelche Studien oder angebliche Erfahrungen zitiert die beweisen sollen, dass die Jagd einen positiven Einfluss auf die Wildpopulation hat und/oder der Vermeidung von Schäden durch Wild dienen soll. Dazu muss bemerkt werden, dass es nur so wimmelt von (bezahlten) Studien, die von Interessengruppen in Auftrag gegeben werden um die eine oder andere These zu unterstützen. Diese können also von Natur aus nicht zum Beweis herangezogen werden und nur wissenschaftlich fundierte Studien die unabhängig erstellt worden sind sollten berücksichtigt werden.

    Auf die gleiche Weise wird oft mit irgendwelchen Erfahrungen aus dubiosen Quellen operiert. Als Wissenschaftler halte ich mich ausschließlich an Fakten und an Beispiele, die am besten dazu geeignet sind von Gebieten wo die Jagd verboten worden ist wie zum Beispiel Naturschutzgebiete in vielen Ländern oder auch als bestes Beispiel der Kanton Genf in der Schweiz, wo 1974 durch Volksbeschluss die Jagd komplett abgeschafft wurde und durch eine staatliche Wildhege ersetzt wurde. Wie also ist dieses Experiment ausgegangen, dazu sehen wird uns die offizielle Webseite des Kanton Genfs an.  

    Zitat 
     •       "Die Anzahl überwinternder Wasservögel hat sich mehr als verzehnfacht und es hat niemals einen solchen Reichtum und so eine Vielfalt an Enten auf unseren Gewässern gegeben.
     •       In Bezug auf das Kleinwild zählt die Dichte der Hasenpopulation zu den höchsten in der Schweiz. In Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft hat man sich nie zuvor so sehr bemüht, den Lebensraum der heimischen Kaninchen- und Rebhuhnpopulationen zu schützen.

     •       In Bezug auf das Großwild entwickeln sich das Schalenwild (Huftiere) gut, das Reh ist im größten Teil des Gebirges vertreten, der Hirsch hat auf dem Kanton Fuß gefasst und entwickelt sich prächtig und das Wildschwein ist ebenso etabliert.

     •       Tierfreunde erfreuen sich daran, im Kanton eine solche Artenvielfalt beobachten zu können und alle schätzen es, das ganze Jahr ohne Störungen durch unsere Landschaften spazieren zu können, ohne dem Risiko eines Jagdunfalls ausgesetzt zu sein."


    Einzig und allein die Wildschweine werden als Problem genannt, weil sie aus umliegenden Jagdgebieten flüchten und sogar über den Fluss aus Frankreich herüberschwimmen wenn dort gejagt wird. Dies wird dann durch die Wildheger geregelt, die entweder durch Schutzzäune oder auch durch Abschuss dieses Problem unter Kontrolle halten. Die Abschusszahlen beschränken sich dabei auf ein paar hundert Tiere verglichen mit über 100.000 für den Rest der Schweiz (Quelle Schweizerische Bundesgenossenschaft) (Anm. Red.: gekürzt um detaillierte Statistik).
     

    Da ich Leiter einer Forschungsgruppe in Genf bin und mich dort oft aufhalte, kann ich den Erfolg des Jagdverbotes auch aus persönlichen Gesprächen mit Bewohnern bestätigen. Die obigen Zahlen (nur 200 Wildschweine in Genf – über 100.000 erlegte Tiere aller Arten im Rest der Schweiz) belegen, dass die Jäger wieder einmal nur das Problem, das sie selbst verursacht haben, lösen wollen: Überpopulation durch Füttern und Jagddruck!
     

    Noch ein Wort zur so genannten "Wiedereinführung der Jagd" in  Genf oder zur Lockerung in anderen Kantonen, zwei Beispiele :


     -       Nun erstens hätte dies sowieso keine Folgen gehabt da dazu eine Verfassungsänderung sprich Referendum notwendig gewesen wäre und zweitens wurde dieser Vorschlag im Großen Rat des Kantons mit 71% zu 6 % abgeschmettert. 

    Einige Zitate von Abgeordneten: 
     "Ein Fauna-Wächter verbraucht maximal zwei Patronen, um die Wildschweine zu töten. Hingegen verbraucht ein Jäger 10 bis 15 Patronen! Dazu kommt, dass die Tiere oftmals von den Jägern verletzt werden", sagte ein Abgeordneter der MCG. "Sie wollen, dass die Jäger (= viandards?) wieder zurück in den Kanton kommen. Eine öffentliche Angelegenheit Personen anzuvertrauen, die psychische Probleme haben und deren Freizeitvergnügen der Abschuss von Tieren ist - das ist skandalös", fügte ein sozialistischer Abgeordneter, möglicherweise in Anlehnung an das wahnsinnige Schreiben des Präsidenten der "Saint Hubert", der im Sterben liegenden Genfer Jagdvereinigung, hinzu."

     -       Der Kanton Bern in der Schweiz wurde ein Paradies für Jäger, nachdem hier die staatliche Wildhege und Kontrolle abgeschafft wurde. In den folgenden zwei Jahren wurden dann in einem internen Bericht über 600 Fälle von Tieren gemeldet, die durch Jäger angeschossen wurden und dann grausam zugrunde gingen (keine Munition mehr, nicht gefunden ..). In einer beispiellosen Farce wurde dann das Gesetz geändert, so dass die Abschüsse nur noch bei genügend Licht durchgeführt werden dürfen und so dass die Jäger weniger oft daneben schießen (kein Kommentar).
     -       Im Dezember letzten Jahres ging ein Freudenschrei durch die Jägerschaft als der Liberale Pierre Weiss in einer Genfer Finanzkommission den Vorschlag machte die Jagd wieder den Jägern zu überlassen, um damit Kosten zu sparen gegenüber der Wildhege. 

    Fazit: Wenn man sich in der Debatte über den Nutzen der Jagd auf wissenschaftlich fundierte Studien oder konkrete Beispiele beruft, dann ist es offensichtlich, dass die Jagd überflüssig ist und nur Probleme schafft, die sie dann wieder beheben will.


    Lesen Sie auch: Internationale Bedeutung für den Vogelschutz
     

    16.12.2010

    Gefährliche Jagd mit Bleischrot

    Ein Beitrag von Angelika Vogel 

    Mit Blei zu schießen hat beim Jagen Tradition. Doch bleihaltige Munition gerät immer stärker in die Kritik. Das giftige Schwermetall reichert sich in der Landschaft an, vergiftet immer wieder Wildtiere und ist auch für den Menschen ein Risiko. Die Jäger halten trotzdem daran fest.

    An Bayerns Gewässern ist die Jagd mit Blei seit 2007 gesetzlich verboten. Der Grund: Viele Wasservögel hatten Bleivergiftungen, weil sie Schrotkörner gefressen hatten. Auch für andere Vögel ist die bleihaltige Munition ein Risiko. Doch abseits der Gewässer wollen viele Jäger nicht auf das umstrittene Schwermetall verzichten. Etwa 1.000 Tonnen Bleischrot werden einer EU-Studie zufolge jährlich in Deutschlands Landschaften verschossen.

    Vergiftungsgefährdet sind vor allem aasfressende Greifvögel wie Bussard, Adler, Rotmilan oder Kornweihe. Das Schwermetall kann über den Verzehr angeschossener Beutetiere in den Verdauungstrakt der Greifvögel gelangen. Jeder dritte bis vierte der seltenen Seeadler stirbt in Deutschland an Bleivergiftung. Auch in Bayern hat eine tödliche Dosis Blei bereits einen unserer ganz wenigen heimischen Seeadler erwischt.

    Willi Holzer betreibt eine Vogelpflegestation und bekommt immer wieder Greifvögel mit Bleivergiftungen. Letztes Jahr war ein wilder Steinadler darunter. Der hatte sich wie ein zahmer Vogel verhalten, war völlig apathisch, als man ihn aufgriff, erzählt Willi Holzer. Zu den typischen Symptomen einer chronischen Bleivergiftung gehören zentralnervöse Störungen, allgemeine Schwäche und Flugunvermögen. Die Vergiftung verläuft meist schleichend.

    Seeadler.......Haliaeetus albicilla, Bild: Andreas Klein
    Kranke Vögel bringt Holzer in die Vogelklinik der Universität München. Tiere mit zu hohen Bleiwerten bekommen dort Medikamente, die das Schwermetall im Körper binden sollen. Viele Tiere verenden aber unbemerkt in der Natur: Die Blutbildung kann gestört werden, die Abwehrkräfte geschwächt, so dass das Tier schließlich in freier Wildbahn an Entkräftung stirbt, erklärt Prof. Dr. Rüdiger Korbel von der Vogelklinik der Universität München.

    Ein Bluttest kann selbst länger zurückliegende Vergiftungen aufdecken. Frische Bleivergiftungen sind außerdem gut auf Röntgenbildern zu sehen. Selbst winzigste Bleiteile können so dargestellt werden. Auf diese Weise wurden an der Vogelklinik schon erstaunliche Mengen gefunden: 13 unterschiedliche Geschosse im Verdauungstrakt eines Uhus beispielsweise.

    Auch Menschen, die viel Wild essen, sind durch Bleigeschosse gefährdet. Trifft das Projektil beim Tier nämlich einen Knochen, werden feinste Bleipartikel weit in das Gewebe gestreut. Und wird dieser Bereich nicht großzügig herausgeschnitten, nimmt der Mensch beim Verzehr das giftige Schwermetall auf, erklärt Prof. Rüdiger Korbel. Verschiedene Untersuchungen belegen, dass Rückstände von Blei in Wild zu finden ist, sagt Willi Holzer. In einer Untersuchung sei sogar festgestellt worden, dass die Grenzwerte von mit Bleischrot geschossenem Wild bei weitem die von der EU festgesetzten Grenzen übersteigen.

    Dabei sind bleifreie Alternativen auf dem Markt. Warum werden sie nicht flächendeckend eingesetzt? Stahl verhalte sich unkontrolliert und gefährde bei Treibjagden den Menschen, fürchten viele Jäger. Außerdem müssten viele von ihnen ihre alten Flinten gegen neue, stahlschusstaugliche eintauschen. Und weil Stahl leichter ist als Blei, könne man nicht mehr auf so große Distanzen schießen wie bisher, so Egbert Urbach von der BJV Landesjagdschule.

    Ob weiter mit Blei oder mit Alternativmunition geschossen wird, entscheiden aber auch die Verbraucher. Wer nachfragt, kann auch ein Stück Wildfleisch bekommen, das bleifrei geschossen wurde.

    Zum Thema: Filmbeitrag von 2014