11.02.2014

Seehundschlachten auf Sylt

Aktualisiert: 12.02.2014
Wie das Robbenzentrum Föhr mitteilt, hatten Sylter Bürger in den vergangenen Wochen beobachtet, dass Seehundjäger gestrandete Robben direkt an den Sylter Stränden erschießen. Selbst Schüsse auf sich ins Wasser flüchtende Tiere wurden beobachtet. Dieses tierschutzwidrige Verhalten  - welches auf Sylt Gesprächsstoff ist -  geht bisher weitgehend an der Öffentlichkeit vorbei.

Das Jagdrecht von Schleswig-Holstein sieht keine offizielle Jagdzeit für Seehunde vor. Dennoch dürfen Jäger über Leben und Tod gestrandeter Robben entscheiden und sie gegebenenfalls erschießen. Das Robbenzentrum Föhr kritisiert, dass Seehundjäger keine Tierärzte sind. Sie können die Tiere nicht eingehend untersuchen und auch den Gesundheitszustand nicht zuverlässig beurteilen. 

Den meisten Tieren könne man auch durchaus helfen, so Tierärztin Janine Bahr. Die Robbenexpertin hat seit über 15 Jahren Erfahrung mit Meeressäugern und war viele Jahre in ausländischen Robbenstationen tätig war. Eine eingehende medizinische Untersuchung sei dringend erforderlich. Und selbst Tiere, die zunächst einen schlechten gesundheitlichen Eindruck machen, erholen sich nach Erstversorgung und Behandlung sehr schnell. Eine Kurzbewertung am Strand durch einen Jäger sei da absolut unzureichend.

Vermutet wird, dass die Tiere geschwächt oder auch mit Lungenwürmern infiziert sind – ein Umstand, der schon seit einigen Jahren bekannt ist. Internationale Wissenschaftler vermuten, dass das Immunsystem der Tiere durch die verschmutze Nordsee stark geschwächt ist. Hinzu kommt, dass sie aufgrund der Überfischung der Nordsee zu wenig Nahrung finden.


Appel an den Grünen-Minister Robert Habeck:
Seehunde dürfen nicht zu den jagdbaren Arten gehören!

Die Erkrankung an Lungenwürmern ist gut behandelbar. In Stationen in den Niederlanden, Belgien und Großbritannien werden diese Robben aufgenommen und bis zur Auswilderung gesund gepflegt.

Janine Bahr und André von Gemmert setzen sich seit Jahren bei der Politik dafür ein, Tierärzte und nicht Jäger die die Entscheidung über Leben und Tod des Wappentiers von Schleswig-Holstein treffen zu lassen.

Nach langjährigen Versuchen, diese Vorgehensweise im Umgang mit den Robben in Schleswig-Holstein zu ändern, hat das Robbenzentrum vor gut einem Jahr einen Arbeitskreis “Robben in SH“ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit anderen Tierärzten, Biologen, Tierpflegern, Stationsmitarbeitern, Rechtsanwälten und vielen Interessierten kämpfen die Robbenzentrumsinitiatoren für einen besseren Schutz der Robben an unseren Küsten!