10.02.2013

Standortbestimmung der Jagd, Teil 1

(zuletzt ergänzt am 22.02.2013) 
Zum Bundesjägertag 2012 hat der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) ein Diskussionspapier zur Standortbestimmung der Jagd vorgelegt. Einige dieser „Standpunkte“ möchten wir in den kommenden Wochen aufgreifen und kommentieren:

DJV-Standpunkt 1
„Die Jagd ist die älteste Form nachhaltiger, schonender Nutzung natürlicher Ressourcen. Sie dient auch dem Natur- und Artenschutz und ist ein schützenswertes Kulturgut.“

Wir meinen: Die Jagd ist heutzutage eine überflüssige Freizeitbeschäftigung, die häufig untrennbar mit Leid von Tieren verbunden ist und Wildtieren samt ihren Lebensräumen erheblichen Schaden zufügt. Mit gezielter Fehlinformation versucht die Jägerschaft ihr antiquiertes Tun vor den Augen einer zunehmend kritischen Öffentlichkeit zu rechtfertigen.

Begründung:
Schon die Tatsache, dass hochentwickelte Tiere lediglich als „Ressourcen“, also als Rohstoffe bezeichnet werden, entlarvt des Jägers Verhältnis zur Natur.  Natur- und Artenschutz sind meines Erachtens nichts als ein Vorwand für die Jagd. Ja, es gibt Projekte, bei welchen Jägern zum Erhalt und zur Schaffung von Lebensraum für wohl bemerkt jagdbare Arten beitragen, aber wie viele Jäger gibt es, die als Landnutzer Lebensräume und Lebensgemeinschaften zerstören? Wenn Sie ein Glas Wasser in einen 20-Liter-Eimer kippen, haben Sie in etwa das Verhältnis an jagdbarer Fläche, welche pro-aktiv von Jägern als Lebensraum gepflegt wird. Ein Vielfaches von dem, was Jäger vorgeben für den Natur- und Artenschutz zu tun, schaffen friedliche in Tier- und Naturschutzorganisationen zusammengeschlossene Menschen, ohne tonnenweise hochgiftiges Blei zu versenken.

Die Jagdausübung selbst ist im Hinblick auf den Artenschutz wohl eher kontraproduktiv. Schwerpunkt dessen was der Jagdverband als Artenschutz bezeichnet dürfte die Jagd auf Fuchs, Marder und Co. sein, mit dem Vorwand das Niederwild oder wie in den letzten Jahren argumentiert wird, die Bodenbrüter zu schützen. Zahlreiche Forschungsarbeiten weisen darauf hin, dass die Jagd eben nicht zur Reduzierung von Beutegreiferbeständen beiträgt und auch weitgehend nicht zum Erhalt von bodenbrütenden Arten. Das Defizit von Lebensraum kann eben nicht durch das Zurechtschießen der Natur kompensiert werden.

Bei Tieren, welche weder als Fleisch- noch als Pelzlieferant dienen  - das sind etwa 80 % der von Jägern getöteten Tiere -  kann man überhaupt nicht von der Nutzung von Ressourcen sprechen. Hier stellt sich vielmehr eine andere Frage, nämlich die nach einem „vernünftigen Grund“ für das Töten von Millionen von Tieren.

Wie so oft, war auch hier der Schuss auf den Hasen nicht tödlich.
Das Tier wird mit dem Knüppel "erlöst".
Bild: www.wattenrat.de 

Die Nachhaltigkeit muss man spätestens in Zweifel ziehen, wenn man weiß, dass selbst Rebhuhn und Waldschnepfe auf der Abschussliste der so genannten Artenschützer stehen. Beide Arten sind in den Roten Listen der gefährdeten Tierarten gelistet. Wenn man ferner weiß, wie viele Rehe, Hirsche, Wildschweine bei „Mannschaftsjagden“ (=Bewegungsjagden, z.B. Drückjagden) lediglich verletzt werden, wie ein angeschossener Hase schreit, Fuchs oder Jagdhund bei der Baujagd ums Leben kommen oder schwer verletzt werden und wie viele Greifvögel an Bleivergiftungen verenden, der weiß auch, dass Jagd mit Schonung  - zumindest der Kreatur -  häufig nicht viel am Hut hat.

Das was die Jagd umgibt, kann man als Tradition bezeichnen, aber die Jagd als Kulturgut? Lesen Sie hier, was Dr. Gunter Bleibohm in „Fluch der Geburt“ dazu sagt.

Die Hege funktioniert nicht, lesen Sie dazu Standortbestimmung der Jagd, Teil 2

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