06.10.2010

Herbstzeit ist Jagdzeit

Während in den Sommermonaten viele - leider nicht alle - Wildtiere noch Schonzeit haben, dürfen Jäger im Herbst auch wieder Feldhase, Fasan und Rebhuhn töten. Und damit sind wir auch schon beim Thema: die Treibjagd ist eine Form der Gesellschaftsjagd, bei der Treiber das Wild aufscheuchen und die flüchtigen Tiere vor die Flinten (meist, aber nicht nur) von Männern treiben, deren Freizeitbeschäftigung das Töten von Tieren ist. Gerne sind das auch mal Gruppen von Jägern aus den benachbarten Niederlanden (wo die Jagd weitgehend eingeschränkt ist), die hier gegen entsprechendes Entgelt an den Jagdpächter unsere auf roten Listen der gefährdenten Tierarten stehenden Feldhasen oder Rebhühner schießen.

Rebhuhn, lat. Perdix perdix, Foto: Marek Szczepanek

Im Jagdjahr 2008/09 sind in Deutschland (nach der offiziellen Statistik) noch 8.595 Rebhühner geschossen worden. Vor 20 Jahren waren das fast viermal soviele. Nun sollte man nicht glauben, dass der Rückgang der "Jagdstrecke" auf jagdliche Zurückhaltung zurückzuführen ist, sondern vielmehr darauf, dass der Bestand dieser Tierart signifikant zurückgegangen ist. Hauptursache dafür, dass es kaum noch Rebhühner und relativ geringe Feldhasenbestände gibt, ist die Industrialisierung der Landwirtschaft - Artenfeind Nr. 1. Spritzmittel, die Bearbeitung der Felder mit immer größerem und schnellerem Gerät, in kürzeren Abständen und mit höherer Intensität raubt vielen Tieren die Lebensgrundlagen. Verkehr und Jagd tun ein Übriges.

Aus Sicht des Tierschutzes wird neben dem negativen Einfluß der Treibjagd auf gefährdete Bestände insbesondere kritisiert, dass die Treffsicherheit bei Treibjagden ausgesprochen gering ist. Die Tiere sind hoch flüchtig und werden nur selten mit dem ersten Schuss getötet, was dann zu erheblichen Todesqualen führt. Oft kommt hinzu, dass das jagdliche Handwerk so miserabel ausgeführt wird, dass nur ein geringer Teil der getöteten Wildtiere überhaupt verwertet werden kann. Beides gilt übrigens nicht nur für Treibjagden auf Niederwild -bei Bewegungsjagden auf Rotwild oder anderes Schalenwild beträgt Untersuchungen zufolge die "Blattschuss-Quote" (erster Treffer tödlich) gerade einmal 35 %. Eine "unverzügliche" Nachsuche von verletzten Tieren, wie sie auch von den Jagdgesetzen gefordert wird, findet in der Regel nicht statt. Der Ablauf der Treib- oder Drückjagd würde erheblich gestört werden.

Dennoch werden diese und andere Tierquälereien im Rahmen der Jagd so gut wie nicht geahndet - der Nachweis ist für einen Aussenstehenden einfach schwer zu führen. Und selbst wenn er ihn führen kann, stößt er bei der Staatsgewalt nicht selten auf pro Jagd eingestellte Richter. Eine behördliche Genehmigung oder gar Aufsicht von Gesellschaftsjagden ist vom Gesetz her nicht vorgesehen. Man überlässt die Jagd und die Jäger sich selbst - mit der Konsequenz, dass es hier nicht nur unendliches Tierleid gibt sondern Jahr für Jahr auch etwa 1.000 - 2.000 Personen durch Schusswaffen verletzt und 20 - 40 Menschen getötet werden.

Die Politik ist hinsichtlich einer Kontrolle der Jagd und der Umsetzung ihrer eigenen Gesetze weitgehend untätig. Die Aufnahme des Tierschutzes als Staatsziel im Rahmen der Verfassungsänderung von 2002 hat bisher kaum zu Änderungen der aktuellen Jagdgesetzgebung geführt. Das Tierschutzgesetz scheint, wenn es um die Jagd geht, immer noch reine Makulatur zu sein. Kein Wunder, denn die führende Vertretung der Jäger in Deutschland, der Deutsche Jagdschutzverband (DJV), ist bestens vernetzt. Sein Präsident ist der ehemalige Landwirtschaftsminister Borchert, nicht wenige Politiker sind passionierte Freizeitjäger, die für die Jagdgesetzgebung zuständigen Abteilungen in den Ministerien sind - wie zum Beispiel in Rheinland-Pfalz - mit Jägern besetzt oder werden von Jägern geleitet.

Eine Umfrage von http://www.jagdaberfair.de/ bei den zuständigen Ministerien ließ immerhin einen Streifen am Horizont erhaschen. Im Saarland und in Nordrhein-Westfalen  - hier sind jeweils die Grünen an der Regierung beteiligt -  will man das Jagdrecht stärker nach Tierschutzaspekten ausrichten. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

03.10.2010

Noch einmal: Bundeswehreinsatz gegen Wildschweine

Sie erinnern sich, ein südpfälzer Bauernpräsident, auch CDU Mitglied und MdB, meinte auf sich aufmerksam machen zu müssen, indem er Amtshilfe seitens der Bundeswehr für die Bekämpfung von Wildschweinen anforderte. Der Aufmerksamkeitswert hat sicherlich gestimmt, viele Medien haben diesen Spaß aufgegriffen. Das Image dieses politischen Hinterbänklers als ernstzunehmender Politiker sollte allerdings gelitten haben. Aber vielleicht ist das ja der Humor der Pfalzbauern - wer weiß?
Sehr geehrter Bauernpräsident Südpfalz (ich habe Ihren Namen schon wieder vergessen), das nächste Mal machen Sie Ihre Späße bitte nicht auf Kosten der Wildschweine - die können nämlich nichts dazu, dass sie von Jägern und Bauern, oft in Personalunion, derart gemästet werden, dass sich ihre Bestände explosionsartig erhöhen. Oder dass aus Unwissenheit oder Übereifer erfahrene Leitsauen, die ansonsten wesentlich zur Bestandsregulierung des Schwarzwildes beitragen, von Ihren Freunden geschossen werden.
Wenn ich noch zu Ihrer politischen Bildung beitragen darf (aus einem Schreiben von Oberst i.G. Jaksik, Bundesverteidigungsministerium, auf meine Anfrage an Herrn Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg):
"Gemäß Artikel 35 Absätze 2 und 3 Grundgesetz kann die Bundeswehr bei Naturkatastrophen und besonders schweren Unglücksfällen Hilfeleistungen erbringen. Dabei können Unterstützungsleistungen nur auf Anforderung der zuständigen Katastrophenschutzbehörden des Landes im Rahmen geeigneter, verfügbarer Ressourcen und Fähigkeiten gewährt werden, wenn und soweit die Kräfte und Mittel der zuständigen Landes- und Kommunalbehörden - ggf. auch länderübergreifend - zur Bewältigung der Lage nicht ausreichen.

Im übrigen gilt auch für die Bundeswehr die allgemeine Vorschrift des Artikel 35 Absatz 1 Grundgesetz, nach der alle Behörden des Bundes und der Länder einander Amtshilfe leisten. Eine amtshilfliche Unterstützung in Form der eigenen Jagdausübung im Rahmen des Landesrechts überschreitet die Grenzen der Amtshilfe deutlich.

In Würdigung dieser Aspekte erscheint nach hiesiger Einschätzung eine Beteiligung der Bundeswehr an der Bekämpfung einer Wildschweinplage in Rheinland-Pfalz weder zweckmäßig noch möglich, zumal weder die Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten noch die Bewaffnung der Bundeswehr die nötigen Voraussetzungen erfüllen, um als Jagdberechtigte tätig werden zu können. Selbst im Bereich der eigenen Liegenschaften greift die Bundeswehr auf zivile Jäger zurück."

29.09.2010

Protestaktion gegen eine Lobbyveranstaltung pro Jagd im Saarland

Sonntag, den 03.10.2010 von 9:30 bis 17.00 Uhr, Haupteingang Linslerhof zw. Differten und Überherrn
Die Tierrechtsorganisationen „WITAS e.V." (Wildtier- und Artenschutz), sowie „ Die Tierfreunde e. V. / Ortsgruppe Saarland" protestieren an diesem Tag und informieren über die wahren Hintergründe der Jagd, die wirklichen Motive der Jäger und „provozierte" Überpopulationen sowie die damit verbundenen "Wildschäden". 
Die aktuelle und dringendst notwendige Novellierung des Jagdgesetzes wird in großen Teilen von den Jägern des Saarlandes blockiert und boykottiert, Kompromisse sind nicht möglich und damit eine wirkliche Reform fast unmöglich.
Das Leid unserer Mitlebewesen – verursacht durch die Jagd und abgeschirmt von der Öffentlichkeit -  ist enorm und ein Skandal. Jägerlatein über Gefahren durch Fuchsbandwurm und Tollwut sollen die Bevölkerung verunsichern und die Jagd rechtfertigen.
Die vom saarländischen Rundfunk – in der Sendereihe SR3 – Landpartie – angebotene Lobbyveranstaltung pro Jagd bietet den Jägern eine ideale Plattform um der Öffentlichkeit, selbstverständlich auch Familien mit Kindern, ihr Hobby vorzustellen und als gesellschaftsfähig zu verkaufen.
  
Zur jährlichen „Ehemaligenjagd" der Jagdschule am Linslerhof werden viele Jäger und zahlungskräftige Jagdtouristen geladen, die in den umliegenden Wäldern ihrem Freizeitspaß nachgehen und ein Massaker unter den Tieren anrichten, unbeeindruckt von Protesten entrüsteter Bürger.
Wir laden alle Interessierten, Tierschützer, Tierrechtler oder einfach Menschen mit einem Herz für andere Lebewesen ein, uns an diesem Tag bei unserer gewaltfreien Protestaktion zu unterstützen.
Ansprechpartner: Werner Wadle, die Tierfreunde e. V., http://www.die-tierfreunde.de/, Mobil 0175/7203553, Tel. 06821/9149971, Hartmann Jenal, WITAS e.V., http://www.witas.eu/, Mobil 0172/6802741

Weitere Hintergrundinformationen zur Jagdthemen finden Sie auf dieser WebSite und beim SWR

27.09.2010

Die Jagdsaison beginnt

Aus dem aktuellen Newsletter von www.pro-iure-animalis.de:
Ende September/Anfang Oktober beginnt wieder die Jagdsaison. Allerorten werden Treib- und Drückjagden angekündigt und die Jäger sind dabei noch so dreist, in Zeitungsveröffentlichungen darauf hinzuweisen, dass es für die Bevölkerung zu Einschränkungen kommt und Gefahrensituationen entstehen können.



Eine Zeit, in der wir Tierschützer und Tierrechtler verstärkt aktiv werden müssen und den Jägern auf die Finger schauen müssen! Dazu verweisen wir erneut auf unser Infomaterial zu diesem Themenbereich, das auch bei uns in gedruckter Form bestellt werden kann:




Flyer "Drück- und Treibjagden"

Flyer "Ihr Blick auf Jagd & Jäger: Eine Checkliste"


Und pünktlich zum Beginn der Jagdsaison haben sich die Jäger dieses Jahr ein besonderes Schmankerl einfallen lassen: sie streiken! Vielerorts haben die Jäger angekündigt, an- und überfahrene Tiere im Straßenverkehr nicht mehr zu beseitigen, so lange die Jagdsteuer nicht abgeschafft wird. Es darf nun gehofft werden, dass sich die Jäger damit selbst einen "Knieschuss" verpassen, denn das Verständnis in der Bevölkerung für dieses Ansinnen scheint nicht übermäßig groß zu sein. Somit wird die Bevölkerung sich in dieser Diskussion auch über weitere Aspekte des "Naturschädling Jäger" informieren. Lesen Sie dazu auch hier

07.09.2010

"Gans" unerträglich

Immer wieder werden Forderungen laut, Gänse in unseren Städten, an unseren Teichen und Seen mittels Jagd zu dezimieren. Sie koten Wiesen voll, richten Fraßschäden an und behindern den gestressten Bürger in seiner Freizeitgestaltung. Werner Hupperich (Gänsewacht - Initiative zum Schutz durch Jagd bedrohter Vogelarten) hat dazu bereits 2008 den nachfolgenden Beitrag (Ausschnitt) verfasst:

350 Kanadagänse vs. 170 000 Mülheimer
"Ich mag Tiere wirklich gerne, habe selber einen Hund, aber.. die Gänse sind eine Zumutung(I. Kammerichs, Geschäftsführerin der Mülheimer Stadtmarketing- und Tourismus GmbH in der WAZ vom 06.07.2008)

Vorab: Die Rhetorik mit welcher – ich unterstelle zu ihren Gunsten: unbewusst – die Mülheimer Geschäftsführerin hier eine ganz eigene Sorte ideologischen Marketings betreibt, lässt aufhorchen. Wenn etwas bezeichnend für das deutsche Bürgertum ist, dann ist es wohl das Phänomen, dass es nie etwas gegen jene hatte, welche es unmittelbar zum Gegenstand irgendwelcher Bekämpfungsstrategien erkoren hat. "Nichts gegen Ausländer, aber..", "Nichts gegen Schwule, aber..", "Nichts gegen Kommunisten, aber..", "Nichts gegen Sinti und Roma, aber.." und – last but not least - "Nichts gegen Juden, aber..". Da sieht man sich durchaus zu einer den Interessen der Mülheimer Tourismus GmbH konträr laufenden Reisewarnung genötigt: "Angehörige ethnischer Minderheiten werden zu ihrer eigenen Sicherheit gebeten, den Dunstkreis Frau Kammerichs möglichst weiträumig zu umfahren.. . Und: nein, der Vergleich ist keineswegs unangebracht, und es handelt sich bei solchen Formulierungen wie "Ich habe nichts gegen xxxx, aber.." eben nicht um verzeihliche "Entgleisungen" oder "Kavaliersdelikte".

Frau Kammerichs, sollten mich irgendwelche widrigen Umstände in das selbst ohne "Gänseprobleme" nach meinem Empfinden wenig attraktive Mülheim an der Ruhr verschlagen und ich dort in einen – gerade innerstädtisch gar nicht seltenen - Haufen Hundescheiße treten, so wird mir dieser Vorfall unmittelbar Ihren Namen ins Gedächtnis rufen. Merkwürdig, dass sich stets die Brandstifter zuerst zu Wort melden um dem Rest der Welt kundzutun, wo es was zu löschen gibt. Dies lediglich als Hinweis auf einen "roten Faden", auf welchen der Leser auch in den anderen angesprochenen Fällen noch öfter stoßen wird.

Das Mülheimer Tourismus-Tribunal klagt die Gänse an:
Zur Last gelegt wird – wie es sich für Ankläger mit fertigem Urteil in der Tasche gehört – in absentia der Angeklagten, bzw. der seriös-werturteilsfrei laut WAZ "Alles verdreckenden Gänse", Kinder an den "Spielwiesen" der Ruhr am "uneingeschränkten austoben" durch ihre "Hinterlassenschaften" inakzeptabel zu behindern. Schuldig gemacht haben sich die Gänse dabei nicht etwa des Hinterlassens zerdepperter Bierflaschen, benutzter Kondome oder scharfkantigen Angelzubehörs. Sie haben vielmehr schlicht den Mülheimer Kids – die sich natürlich von Spielekonsole und Glotze im häuslichen Habitat der Kinderzimmer mal ordentlich an "ihrem Ruhrufer" durch "uneingeschränktes austoben" regenerieren müssen - wortwörtlich in die Quere geschissen.

Wie hätten auch die für ihre Weitsicht berühmten Mülheimer Stadtplaner darauf kommen sollen, dass Flussufer noch eine andere Funktion innehaben und anderen Lebewesen als Aufenthaltsort dienen könnten als "Spielwiesen ausschließlich für Kids"? Hätten die Vögel die letzten 150 Mio. Jahre nicht mit sinnfreien Sperenzchen wie Nahrungsaufnahme, Fortpflanzung, Schlaf und eben auch Koten die Zeit vertrödelt, und statt dessen ihrem Dasein einen Inhalt – wie etwa konsumieren und dabei mittels Mehrwert den "Standort" und letztlich "Arbeitsplätze" sichern, SMS versenden, oder zumindest die Sache mit dem Privateigentum kapieren – gegeben, dann wäre erst gar kein Problem entstanden.

Einfach einen Schildermast ins Ufer rammen, oben die Deutschlandfahne mit Mülheimer Stadtwappen und unten ein Text für die Gänse: "Gänse dürfen nur mit Badekappe ins Wasser und den Menschenkindern nicht vor die Füße kacken!". Tja. In Sachen bestimmungsgemäßer Verwendung von Landschaften haben die Gänse weder ein Definitions- geschweige denn ein Mitspracherecht.

Kanadagans - Branta canadensis

.. und befindet sie – erwartungsgemäß - für schuldig.
Da die "Alles verdreckenden Gänse" (WAZ) nicht einmal eine anständige Verteidigung formuliert bekommen – außer fressen, fliegen, schwimmen, schlafen, sich fortpflanzen und koten gibt's nun mal nicht viel mehr im Leben einer Gans (was dieser aber fürs Überleben bislang auszureichen schien) – da hat die Anklage leichtes Spiel. Die WAZ verkündet das Urteil und willige Vollstrecker werden in Kürze entweder mit Schrot oder Gas die "Probleme" eliminieren.

Einen Vorteil – natürlich nur für jene Sorte Menschen, die es für sich als Vorteil begreifen – hat das Ganze: Die Eltern der am austoben auf ihrer Spielwiese durch Gänse behinderten Kids können ihrem Nachwuchs gleich veranschaulichen, wie in dieser Gesellschaft eigentlich der Laden läuft. Konsequenterweise empfehle ich Frau Kammerichs – auf's Marketing kommt's schließlich an - die Hinrichtung der Gänse als "Reality Show" zu konzipieren und die Kids dem heiteren Schrotschuss (einschließlich dem elendigen Verrecken einzelner Gänse an inneren Blutungen) und / oder dem lustigen Vergasen (funktioniert bei Gänsen ohnehin nur suboptimal) beiwohnen oder aber vielleicht sogar aktiv teilhaben zu lassen. Ist ja schließlich keine Schande, und es sind ja nur Gänse. Vielleicht finden die Kinder sogar Gefallen an der Sache und möchten anschließend statt z.B. Berufswunsch "Lokführer" oder "Pilot" dann "Jäger" oder "Tierkörperbeseitiger" werden. Frau Merkel hat womöglich recht: Am Horizont glitzert gülden die Vollbeschäftigung.

05.09.2010

Politik begünstigt Tierquälerei

Im Juli befragte JagdAberFair die zuständigen Ministerien der Bundesländer, wie sie zum Jagdgesetz und der aus Sicht des Tierschutzes erforderlichen Änderung der aktuellen Jagdgesetzgebung stehen. Die Standardantwort lautete häufig "das Gesetz habe sich bewährt" (zu den Ergebnissen geht es hier)

Nun mag es sein, dass sich die Jagdgesetzgebung aus bürokratischer Sicht bewährt hat - aus Sicht des Tierschutzes hat sie sich ganz sicherlich nicht bewährt, wahrscheinlich auch weder aus ökologischer noch aus volkswirtschaftlicher Sicht.

Jährlich verenden in Deutschland hunderttausende von Wildtieren (insbesondere Wasser- und Greifvögel, aber auch Beutegreifer) aufgrund von Bleivergiftung - verursacht durch die Verwendung bleihaltiger Munition. Millionen (!) von Tieren quälen sich aufgrund des mangelhaften Schießvermögens eines Großteils von Jägern zu Tode. Bei Treibjagden auf Niederwild oder Bewegungsjagden auf Schalenwild werden die meisten (!) Tiere zunächst nur angeschossen. Die Erlösung durch den sogenannten Fangschuss gibt es - falls das Tier überhaupt gefunden wird - oft erst nach Stunden, häufig aber auch gar nicht. Bewegungs- oder Treibjagden werden für ein verletztes Tier nicht unterbrochen. Es gibt Untersuchungen, welche eine "Blattschussquote" (erster Treffer ist tödlich) bei Bewegungsjagden von nur 35 % feststellen. Billigend wird ferner in Kauf genommen, dass durch die Verwendung von Schrotmunition bei der Wasservogeljagd durch einen einzigen Schuss häufig drei, vier gar fünf Vögel verletzt werden. Eine weitere Jagdmethode, die gesellschaftliche Ächtung verdient, ist die Fallenjagd. Gerne berufen sich die Verantwortlichen in den Ministerien darauf, dass Totschlagfallen sofort töten. Da es aber keine Fallensysteme gibt, die selektiv z.B. nur eine Tierart fangen, werden viele Tiere oft lebensgefährlich, aber eben nicht tödlich verletzt.

Nach Meinung von JagdAberFair verstoßen sämtliche der genannten Sachverhalte gegen § 4 des Tierschutzgesetzes, der (gekürzt) wie folgt lautet: "Ist die Tötung eines Wirbeltieres ... im Rahmen weidgerechter Ausübung der Jagd ... zulässig, so darf die Tötung nur vorgenommen werden, wenn hierbei nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen entstehen."  "Mehr als unvermeidbare Schmerzen" aber entstehen durch die Verwendung von bleihaltiger Munition, durch die Verwendung von Schrotmunition bei der Wasservogeljagd, bei Treib- und Bewegungsjagden und durch die Fallenjagd. Ein oft unzureichendes Schießtraining und die fehlende Kontrolle der körperlichen Eignung (z.B. Sehtest) tun ein Übriges. All das sind Fakten, welche der Politik wohl bekannt sein dürften - schließlich sind die zuständigen Ministerien durchweg mit Jägern durchsetzt.

Eine Politik, welche diese Missstände duldet, ja unterstützt und fördert macht sich indirekt der Tierquälerei schuldig und verstößt gegen das Grundgesetz, welches ausdrücklich den Schutz des Tieres als Staatsziel definiert.


Dachs v. Helmut Sütsch, www.fuchsfilm.de

04.09.2010

Planungen der Länder zum Jagdgesetz

JagdAberFair befragte am 12.7.2010 die Länder zu ihren Plänen hinsichtlich der Jagdgesetzgebung - abgesehen von den Antworten aus Saarbrücken (das grüne Umweltministerium plant eine weitreichendere Novellierung des Jagdgesetzes, welches insbesondere auch Tierschutzaspekte berücksichtigen soll) und Berlin (hat bereits ein vergleichsweise fortschrittliches Jagdgesetz) und möglichen Entwicklungen in Nordrhein-Westfalen (Koalitionsvertrag rot-grün: "Das Jagdrecht muss nach ökologischen und Tierschutzkriterien ausgerichtet werden. Praktiken, die mit dem Tierschutz unvereinbar sind, wollen wir künftig untersagen") ist das Ergebnis doch eher ernüchternd. Tierschutzrelevante Bedenken gibt es kaum, bisherige Gesetze hätten sich "bewährt". Weitere Jagdgesetznovellierungen planen Hessen (2013, Beratungen bereits im Gange) Sachsen-Anhalt (bereits vorgelegt), Sachsen (2012) und Schleswig-Holstein (2011). Eine Zusammenfassung der eingegangenen Antworten finden Sie hier in der Rubrik "Korrespondenz".

Lesen Sie hierzu auch Politik begünstigt Tierquälerei.

31.08.2010

"Jagdkultur" - Vorabdruck aus "Fluch der Geburt"

Nach "Totentanz der Tiere" erscheint im Herbst "Fluch der Geburt" von Dr. Gunter Bleibohm (pro iure animalis). Als Vorabdruck hier Bleibohm's Gedanken zum Begriff "Jagdkultur":


Wir kennen verschiedenste Ausprägungen des Kulturbegriffes. Kultur im Allgemeinen bezeichnet all das, was vom Menschen selbst hervorgebracht wird sowie geistige Konstrukte, wie Recht, Moral, Religion, Ethik etc.

Der Begriff "Kultur" beinhaltet darüber hinaus nicht nur deskriptive, also beschreibende Komponenten sondern auch normative Bestandteile. Normative Bestandteile umfassen Hinweise, wie oder was etwas sein soll, Zielvorstellungen einer wünschenswerten Situation, Zielvorstellungen eines erstrebenswerten Zustandes, also beispielsweise Gewaltfreiheit.

Gewalt als erstrebenswerter Zustand würde demnach als "Kultur der Gewalt" zu bezeichnen sein, im allgemeinen Sprachverständnis eine ins Negative gerichtete Umkehrung des Begriffs bedeuten, also eine Un-Kultur, eine Nicht-Kultur beschreiben.

Völlig persifliert, sarkastisch verdreht und missbraucht würde demnach der Kulturbegriff im Zusammenhang mit Mord, Abschlachten, Töten, Massenvernichtung. Das Abendland hat es bislang auch streng vermieden, von einer Kultur der Erschiessungskommandos, der Henker, der Heckenschützen, der Täuscher und Heimtücker zu sprechen - bis auf eine Ausnahme: man spricht gelegentlich von "Jagdkultur".

Das sympathische Logo von www.pro-iure-animalis.de 

"Jagdkultur" ist aber nach Vorstehendem ein Widerspruch in sich, eine logische Unmöglichkeit, eine Perversion der sprachlichen Vernunft. "Jagdkultur" ist die Un-Kultur, die Nicht-Kultur par excellence. Jagd, mit seinen Hauptkomponenten Töten, gemeinschaftlich aus Freizeitvergnügen Tiere hinzurichten, ahnungs- und arglosen Wildtieren heimtückisch aufzulauern, kann folglich mit Kultur weniger in Einklang stehen, als Feuer mit Wasser, als Tag mit Nacht.

Solange sich noch kein Protagonist von Abartigkeiten dazu versteigt, von einer Kultur der Scharfrichter, der Kopfschlächter, der Robbenmörder u.ä. zu sprechen, solange muss das Wort  „Jagd" in Verbindung mit dem Wort „Kultur" mit dem Bann, dem Anathema der Verachtung belegt sein; „Jagdkultur" bedeutet letztendlich die Exkommunikation aus dem Kreis jeglicher ethischen Kultur und kann allenfalls als Synonym und zur Verdeutlichung einer verabscheuungswürdigen „Sub-Kultur" herangezogen werden.

Hier können Sie dieses und weitere Bücher zu Jagdthemen bestellen.

29.08.2010

Offener Brief - Bundeswehr zur Wildschweinjagd

Sehr geehrter Freiherr zu Guttenberg, sehr geehrter Herr Bundesminister!

Ihr Kollege Norbert Schindler (CDU), MdB und Präsident der Bauern der Pfalz, bereichert das Sommertheater durch den Vorschlag, die Bundeswehr künftig in der Landwirtschaft einzusetzen. Konkret geht es ihm um den Kampf gegen das Schwein, das Wildschwein wohlbemerkt - denn das Hausschwein hat dank der industrialisierten Landwirtschaft schon lange nichts mehr zu melden.

Hinter-grund: In diesem Jahr machten den Landwirten nicht nur das Wetter, sondern auch die gefräßigen Wild-schweine zu schaffen. Die vom Schwarzwild verursachten Schäden hätten die Ernte zusätzlich verzögert, heißt es in einer Meldung von N-TV. Neben den eigentlichen Schäden in den landwirtschaftlichen Kulturen blieben auch Mähdrescher immer wieder im Boden stecken, der von den Schweinen aufgewühlt wurde.

Nun, in Afghanistan werden unsere Truppen nicht ewig bleiben können - warum also nicht mit gepanzertem Gefährt, Maschinengewehren, Hubschrauber-Unterstützung und Infrarot-Wärmemessgeräten in den rheinland-pfälzischen Acker? Neben dem Schwarzwild bietet sich für weitere Vernichtungsaktionen durchaus auch der Kormoran, die Nilgans (Ägypter raus!), das Mufflon-Schaf, der Fuchs, Gänse und die Rabenvögel an! Vielleicht sollten wir die Truppenstärke doch nicht reduzieren?

Wenn's nicht zu traurig wäre, könnte man darüber ja lachen. Es ist aber allzu bedauerlich, dass (nicht nur) Politiker wirtschaftliche und persönliche Interessen über das Wohl der Natur und der Tierwelt stellen und damit letzlich auch über das Wohl der Allgemeinheit. Es ist scheinbar einfach in unserer Welt, für Tiere, die vermeintlich oder tatsächlich stören, letale Maßnahmen einzufordern - nach den Ursachen aber zu fragen (z.B. Industrialisierung der Landwirtschaft) und neue ökologisch und zugleich ökonomisch sinnvolle Wege zu gehen, ist unbequem. Wir haben ein Grundgesetz, welches uns auch der Tierwelt gegenüber verpflichtet .... deshalb ist es längst an der Zeit neue Formen des Umgangs mit unseren Tieren, sowohl den sogeannten Nutztieren wie auch den Wildtieren zu finden.

PS. Die zitierte Meldung aus N-TV finden Sie hier:

28.08.2010

Gedanken eines Schweins - Intermezzo aus der Massentierhaltung


Auszug aus: Totentanz der Tiere von Dr. Gunther Bleibohm, Harald Hoos, Geistkirch-Verlag 2009, 174 Seiten, 14,80 Euro (Der gesamte Erlös des Buches kommt dem Tierschutz zugute)

Ich höre den Motor des Lkw's, das Türenschlagen des Viehtransporters. Nach meiner Einschätzung müßte es Abend sein. Genau kann ich es nicht sagen, die Lebenszeit, die ich hier verbringe, ist bei künstlichem Dämmerlicht, ohne Bewegung, in unerträglichem Gestank, auf Spaltböden und Kunstfutter mit zahllosen Medikamenten; Gras haben meine Füße nie gespürt, nur Kot, nur Dreck. Vielleicht habe ich einmal im Leben das große Glück, auf dem Transport das richtige Licht zu sehen, richtige Luft zu atmen. Es soll ja eine Sonne geben, Sterne, Wind und Regen. Aber das sind Mythen, die durch unsere Gedanken kreisen, bei uns Tausenden, die hier eingeschlossen sind, hier geboren sind, ich weiß es aber nicht.

Ich sitze in einer der vorderen Boxen, ich bin heute auf jeden Fall dabei. Endlich ist der große Tag der Befreiung gekommen, der Tag, den wir alle herbeisehnen, der Tag, auf den sich unser ganzes Leben hin entwickelt hat, der Sinn unserer kurzen, qualvollen Existenz. Der Weg, die Fahrt zum Schlachthof, meine letzte Chance, einen Blick auf diese mörderische Welt zu werfen. Ich habe mir vorgenommen, den Weg mit größter Würde anzutreten, mit Demut gegenüber meinem Schicksal. Der Tod wird ein Geschenk für mich sein. Ich kehre in den unendlichen Frieden zurück, aus dem ich einst aufgebrochen bin, aus dem ich in diese fürchterliche Menschenwelt geworfen wurde.

Ich hab mir vorgenommen, aufrecht zu gehen, auch wenn die Beine unter meinen Körper einknicken, die Last des Körpers kaum tragen können, weil ich sie Zeit meines Lebens nicht benutzen konnte. Ich werde mit zusammengebissenen Zähnen die Elektroschocks der Treiber ertragen, zum letzten Mal, es gilt die Freiheit des Todes zu erringen. Es ist dies kein Anflug von Verzweifelung, ich kenne die Kette meiner Tage, kenne die Kette der Qual, des Martyriums aus meinen wenigen Lebenstagen. Mein Verlangen nach einer Zeit, in der Leben aufhört, Folter und Qual zu sein, ist unbändig.

Jetzt bin ich an der Reihe, die Boxentür geht auf, ich erhalte einen brutalen Stockschlag an den Kopf. Es scheint tatsächlich abends zu sein, wenn man das so nennt. Ich hab es noch nie gesehen. Abends bedeutet eine letzte lange Qual, die letzte allerdings. Es bedeutet eine lange Fahrt, vielleicht zum Schlachthof nach Rom, die Nacht hindurch, durstig, hungrig, voller Ungewißheit. Rom sehen und sterben!

Der Weg in die Freiheit ist bitter und qualvoll erkauft, manche von uns sterben leichter, manche fürchterlicher, aber der Lohn ist immer unendlich tiefer Frieden, die Flucht vor der Menschheit. Die Menschheit, die uns ein Leben in Freiheit, in Sicherheit verweigert. Die Natur wird mich aber wieder in die Masse der Wesen einkneten und macht vielleicht eine Wolke, einen Tautropfen, hoffentlich aber nicht wieder ein Schwein oder gar einen Menschen aus mir. Egal, morgen früh komme ich in die Todesbox, mit etwas Glück ist der Akkordschlächter nüchtern, trifft mich gut mit dem Bolzenschuß. Ich werde still halten, nicht ausweichen, damit es schnell geht. Wir sterben an diesem Tag zu Tausenden, so wie jeden Tag. Tausend Lebewesen jede Sekunde auf der besten aller Welten, auf einer Welt, welche die Menschheit zum großen Schlachthaus gemacht hat.

Das Quicken der Anderen ist das verzweifelte Auslachen der Menschheit durch uns Todgeweihte, das Lachen darüber, dass wir mit dem Tod ihrer Macht endgültig entfliehen, das Lachen der Verachtung ob ihrer Überheblichkeit, ob ihres Wahnsinns. Einen Tag später werden meine zerlegten Körperteile verkauft und gegessen, hoffentlich aber von einem Hund oder einer Katze. Der Gedanke, im Körper eines Menschen begraben zu werden, ist mir zutiefst zuwider, im Körper derjenigen, die sich für das Ebenbild eines Gottes halten, eines bluttriefenden, erbarmungslosen Gottes.

24.08.2010

Jagd und Naturschutz - ein Zielkonflikt per se

letzte Aktualisierung 4.7.2015
Da hat man doch den Bock zum Gärtner gemacht! Der Deutsche Jagdverband (DJV) und seine Mitgliedsverbände haben den Status von Naturschutzverbänden. Wie ist das mit der landläufigen Vorstellung von Naturschutz zu vereinbaren: Jagd und Naturschutz? Dem Jäger geht es selten um den Erhalt der Natur, ihm geht es vorrangig um die Jagd, wildreiche Reviere, um Trophäen, um das Töten von Tieren.

Ja, es mag auch Projekte geben, die durchaus die Bezeichnung "Naturschutz" verdienen, obwohl sie sich vornehmlich der jagdbaren Arten annehmen - doch gemessen an dem Schaden, welcher die Jagd sowohl in der Natur als auch am volkswirtschaftlichen Vermögen anrichtet, sind das die berühmten Tropfen auf den heißen Stein. Nach Prof. Dr. Josef Reichholf, ehemals Leiter der Zoologischen Staatssammlung München, ist die Jagd nach der industriellen Landwirtschaft der Artenfeind Nr. 2. Die Jagd mache die Tiere scheu und schränke damit die Lebensmöglichkeiten der bejagten Arten sehr stark ein. Gegenüber der Jagd seien die Schädigungen durch Bau- und Siedlungstätigkeit und Industrie vergleichsweise gering. 

Der durch die Jagd entstehende volkswirtschaftliche Schaden dürfte sich Jahr für Jahr auf über eine Mrd. Euro belaufen. Dieser Schaden ensteht im Wesentlichen durch Verbissschäden in Land- und Forstwirtschaft und durch die Folgen von jährlich ca. 240.000 Wildunfällen. Ursache für diesen immensen Schaden ist die sogenannte "Überhege" insbesondere des Rehwilds. Obwohl es inzwischen weitgehend verboten ist, wird das Wild nach wie vor mittels üppiger Fütterungen gemästet - mit der Folge, dass der Wildbestand (insbesondere bei Rehen und Wildschweinen) trotz jährlich steigender Abschusszahlen kontinuierlich steigt. Das ist alles andere als Naturschutz.

Bild: Berndt Fischer

Deutschlands Jäger verschießen nach Schätzungen von Umweltverbänden bis zu 1.500 Tonnen bleihaltiger Munition und wehren sich nach wie vor gegen Gesetzesinitiativen, welche bleifreie Munition vorschreiben.

Blei ist hochtoxisch und schon die Aufnahme geringster Mengen kann zu Schädigungen des Nervensystems oder der Organe führen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat nachgewiesen, dass die Körper von mit Bleimunition erlegten Tieren großflächig mit bleihaltigen Partikeln durchsetzt sind und die zulässigen Grenzwerte beim Wildbret häufig überschritten werden. Während der Mensch bei seinem Speiseplan die Wahl hat, ist die Verwendung bleihaltiger Munition für die Tierwelt ein Drama. Tausende von Tieren, Wasservögel, Beutegreifer, Greifvögel verenden jedes Jahr in Deutschland aufgrund von Bleivergiftungen. Immer wieder sind auch die wenigen Seeadler unter den Vergiftungsopfern.

Die sogenannten Naturschützer, welche auf politischer Ebene bestens vernetzt sind, halten Einschränkungen des Jagdrechts in Naturschutzgebieten für völlig überflüssig und umweltpolitisch für kontraproduktiv. Der Unterstützung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) kann sich der DJV hier sicher sein. Beide Verbände sehen durch jegliche Beschränkung des Jagdrechts das Eigentumsrecht des Grundbesitzers bzw. des Jagdpächters tangiert. Dabei geht es gerade einmal um etwa 5 % der Fläche Deutschlands, die den speziellen Schutzstatus des Naturschutzgebietes genießt.

Aus jagdlicher Sicht ist diese Haltung nachzuvollziehen: die schützenswerten Bereiche sind häufig auch die jagdlich interessanten, vor allem naturnahe Feuchtgebiete als Entenparadiese wecken Begehrlichkeiten. Die Tatsache, dass diese wertvollen Restlebensräume eines besonderen Schutzes bedürfen und nicht der Beunruhigung durch die Jagdausübung oder gar der vorsätzlichen Faunenverfälschung, scheint zweitrangig zu sein.

Nach § 2 BNatSchG soll jeder nach seinen Möglichkeiten zur Verwirklichung der Ziele des Naturschutzes ... beitragen und sich so verhalten, dass Natur und Landschaft nicht mehr als nach den Umständen unvermeidbar beeinträchtigt werden. Eingriffe und Störungen insbesondere in den als Naturschutzgebieten oder Kernzonen von Großschutzgebieten ausgewiesenen Flächen müssen minimiert werden; dies gilt insbesondere für die Jagd. Unserer Meinung nach verstößt die Jagd in Deutschland gegen diesen Grundsatz. Schon alleine deshalb verdienen Organisationen wie der Deutsche Jagdverband nicht den Status einer Naturschutzorganisation nach BNatSchG. Jagd und Naturschutz sind Zielkonflikte, welche der DJV wohl auch in Zukunft nicht lösen kann.

Lesen Sie auch: "Jagd ist angewandter Naturschutz" - aus der Reihe "Jägerlatein"

22.08.2010

Waschbär, Marderhund und Nilgans sollen "beseitigt" werden

Der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) hat Nilgänse, Waschbären und Marderhunde (die letzgenannten sind vorwiegend nachtaktiv) gezählt und kommt zum Schluss, dass jedes dieser ursprünglich nicht in Deutschland heimischen Tiere eines zuviel ist (http://www.jagd-online.de/news/2010).
Von der Verdrängung heimischer Arten ist die Rede und von der Verbreitung von Krankheiten - ganz so wie man die ideologisch verblendete Argumentation schon vom Fuchs und von anderen Beutegreifern her kennt. Bis vor gar nicht langer Zeit hat der gleiche Verein seine Mitglieder allen Ernstes dazu aufgerufen, den Igel jagdlich zu bekämpfen!
Abgesehen davon, dass der DJV-Artikel sachlich falsch ist (Beispiel: Kanada- und Nilgans gelten gemäß §10, Abs.2 BnatSchG. als heimische Tierarten), Zweifel an der annähernden Verlässlichkeit der genannten Zahlen erlaubt sind, gibt es auch keine wissenschaftlichen Hinweise dafür, das beispielsweise die Nilgans andere Arten in ihrem Bestand gefährdet. Ex-Landwirtschaftsminister Borchert, seines Zeichens Präsident des DJV, weiß auch gleich wie man Waschbären und Marderhunde effektiv beseitigt: mittels Fallenjagd. Die Fallenjagd (auch als Fangjagd bezeichnet), von welcher die wenigsten Bürger wissen, dass es sie noch gibt, führt gerade bei Waschbären immer wieder zu ärgsten Verstümmelungen und größtem Tierleid. Tier- und Naturschutzverbände fordern seit Jahren die Abschaffung dieser tierquälerischen Jagdmethode.
Zur Einstellung des DJV zu sogeannten "invasiven" Arten (Neozoen) habe ich die nachfolgende Glosse von Werner Hupperich auf http://www.gaensewacht.de/ gefunden:
"Das Ministerium für Jagdpropaganda und waidgerechte Volksaufklärung gibt bekannt: Die Zunahme fremder Subjekte in der Deutschen Fauna hat jedes erträgliche Maß überschritten. Schwarzafrikanische Gänse, bolchewistische Marderhunde, schmutzige Waschbären so wie genetisch minderwertiges, kanadisches Ferdervieh stehlen anständigen deutschen Tieren den Lebensraum. Das Boot ist voll! Deutsche Natur den deutschen Tieren! Es kann ja nicht angehen, dass sich jeder dahergeflogene ausländische Drecksvogel in unsere schöne Deutsche Eiche setzt, geisteskranke österreichische Braunbären ungestraft in unser schönes Bayern einfallen oder sich von Natur aus kriminelle fremdländische Waschbären an der Verkabelung unserer hübschen japanischen Autos vergehen! Kroppzeug verdammtes! Ausrotten, aber sofort! Töten!.."

15.08.2010

Themenkatalog Jagd: Gesetzesverstöße, Tierleid, volkswirtschaftlicher Schaden

Pressemeldung JagdAberFair vom 16.08.2010: Laut EMNID-Umfragen stehen 76,3 % der Menschen der Jagd kritisch bis ablehnend gegenüber. Großen Zuspruch fand vielleicht auch deshalb der großartige SWR für die Thematisierung der Diskrepanz zwischen Jagd und Tierschutz im Rahmen seines Formats „Odysso“. Ansonsten aber hört und liest man wenig über das große Leid der Wildtiere in Deutschland. Meldungen von Jagdorganisationen dagegen werden gerne und oft unkritisch veröffentlicht.


Tierschutz im Rahmen der Jagdausübung ist ein großes emotionales Thema. Und es eignet sich, alte und neue Leser zu fesseln und zu binden. Darauf weist nicht zuletzt die Vielzahl von Kommentaren zu dieser Thematik in den Online-Ausgaben der Zeitungsverlage hin, aber auch die intensive Diskussion über Tierschutzthemen in sozialen Netzwerken.

Für mehr Aufklärung hinsichtlich der Tierschutz-Defizite wirbt www.jagdaberfair.de, eine Tierschutzinitiative mit Schwerpunkt Jagd, und hat dazu ein Papier mit einem jeweils kurzen Abriss über 13 besonders kritische Themen erstellt. „Bei der Jagdausübung wird fast kontinuierlich gegen bestehende Gesetze verstoßen: das Bundesjagdgesetz, die Landesjagdgesetze, das Tierschutz- und die Naturschutzgesetze, EU-Richtlinien, bis hin zum Grundgesetz,“ sagt Lovis Kauertz, Gründer der Initiative JagdAberFair. Und genau diese Tatsache gemischt mit Ignoranz und Nihilismus mache es so leicht, kritische Themen aufzugreifen.


Im Schnitt werden jeden Tag (!) etwa 28.000 Tiere durch die Jagdausübung getötet - mehr als doppelt so viele wie vom Deutschen Jagdschutzverband (DJV) offiziell gemeldet. Unzureichende Ausbildung und Mangel an Praxis der Hobbyjäger, gepaart mit geringen Trefferquoten und Verstümmelungen durch Totschlagfallen erzeugen ungeahntes Tierleid. Hinzu kommen Probleme, welche sich aus falscher oder uneffektiver Bejagung oder der „Überhege“ (Mästung, Medikamentierung) von Wildtieren ergeben. Grundrechte des Menschen werden nicht nur bei der so genannten „Zwangsbejagung“ (jeder Grundeigentümer muss die Jagd auf seinem Grundstück dulden) sondern auch beim Haustierabschuss tangiert. Der volkswirtschaftliche Schaden aus der Jagd geht in die Milliarden!

Kirchentag Mensch & Tier in Dortmund

Erstmalig in der Geschichte der Kirchentage findet vom 27.-29. August 2010 in Dortmund ein überkonfessioneller Kirchentag unter dem Motto „Mensch und Tier" statt.
Interessante Referenten, wie z.B. Eugen Drewermann, Helmut Kaplan, Stefan Eck und Franz Alt werden in Einzelvorträgen und Diskussionsrunden zu hören sein. Auch pro iure animalis wird diese längst überfällige Kircheninitiative mit einem Infostand unterstützen.

Weitere Infos und Kartenvorverkauf: www.kirchentagmenschundtier.de

13.08.2010

Pressethemen Jagd und Tierschutz

Abschussrausch - zehn Millionen getötete Wildtiere jedes Jahr: Die Anzahl der vom Deutschen Jagdschutzverband (DJV) gemeldeten jährlich getöteten Wildtiere ist vollkommen falsch und untertrieben. Nicht berücksichtigt werden Tiere, die angeschossen und nicht aufgefunden werden aber aufgrund von Verletzungen verenden. Ein großer Teil der "Strecke" wird z.B. wegen des administrativen Aufwands (z.B. Elster, Rabenkrähe, Eichelhäher u.a.) oder aus Bequemlichkeit systemisch gar nicht erfasst, dazu kommen Hunde und Katzen, Tiere, die an Bleivergiftung zugrunde gehen und Tiere, die im Rahmen der Hundeausbildung "verbraucht" werden. Insgesamt liegt die Jahresstrecke bei über 9 Millionen Tieren, das sind 25.000 pro Tag - fast doppelt so viele wie der DJV offiziell meldet. Weitere Informationen hier.

Geringe Trefferquoten, viel Tierleid: Bei sogenannten Bewegungsjagden (Drückjagd, Treibjagd) wird das Wild aufgescheucht und auf der Flucht beschossen. Bis zu 70 % der Tiere werden verletzt und flüchten, bevor sie nach Stunden gefunden werden oder nach Tagen und Wochen qualvoll verenden.

Fallenjagd, ein Martyrium: In Deutschland ist die Verwendung von Lebendfallen und Totschlagfallen erlaubt. Gefangen werden in erster Linie Beutegreifer vom Mauswiesel bis zum Fuchs. In Lebendfallen gefangene Tiere werden nach einem langen Martyrium getötet und entsorgt. Totschlagfallen sollen unverzüglich töten - das ist in der Praxis aber nicht der Fall. Häufig kommt es zu Verstümmelung und lang sich hinziehendem Todeskampf.

Jagdhundeausbildung: Die Hundeausbildung findet an lebenden Tieren statt. Dabei werden pro Jahr etwa 'zigtausende Enten "verbraucht", zudem Füchse und Niederwild.

Hunderttausende toter Haustiere: Man geht davon aus, dass bis zu 40.000 Hunde und 300.000 Katzen jedes Jahr von Jägern erschossen werden. Die Argumentation der Jagdverbände ist hinsichtlich der Populationsgefährdung von Singvögeln durch Katzen oder eine Gefahr der Bastardierung von Wildkatzen ist wissenschaftlich nicht belastbar belegt. Weitere Informationen.

Sinnlose Fuchsjagd: Die Fuchsjagd, bei der im Jagdjahr 2008/09 nach Schätzung von www.jagdaberfair.de etwa 800.000 Füchse getötet wurden, wird seitens des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV) damit begründet, Seuchen wie der Tollwut und Krankheiten durch Übertragung des Fuchsbandwurms vorzubeugen. Darüber hinaus wird vom DJV durch den Fuchs generell eine Bestandsbedrohung von Bodenbrütern gesehen. Der Ökologische Jagdverband (OEJV) dagegen sieht - wie viele Wissenschaftler auch - keinen vernünftigen Grund mehr für die Jagd auf den Fuchs und andere Beutegreifer. Die Tollwut ist in Deutschland ausgemerzt, die geschürte Hysterie um den Fuchsbandwurm ist laut Robert-Koch-Institut unbegründet und es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich der Fuchs in der Regel keine Bestandsbedrohung für Bodenbrüter darstellt.

Wildschweinjagd: Die in den letzten Jahren subjektiv wahrzunehmende "Wildschwein-Schwemme" ist ein durch Jäger und Jagd selbst verursachtes Problem - wie selbst Deutschlands führende Jagdzeitschrift "Wild und Hund" 2008 titelt. Hauptursachen dabei sind die Mästung des Schwarzwilds mit Kraftfutter und die Anwendung falscher Jagdmethoden. Beides führt zu unnatürlich hoher Entwicklung der Bestandsdichten.

Kein Schutz im Naturschutzgebiet - Naturschutz- und Großschutzgebiete sind Schutzgebiete für Tiere und Natur. In vielen europäischen Ländern ist die Jagd diesen Gebieten untersagt - nicht so in Deutschland.

Unzureichende Ausbildung: Die Jägerprüfung, das sogenannte "Grüne Abitur" kann heute in Schnellkursen innerhalb von 2 Wochen gemacht werden. 74 % des vermittelten Wissens betreffen die Bereiche Waffenkunde, Jagdpraxis, Brauchtum, Tradition, Rechtslage. Was kann dem angehende Jäger da über ein so komplexes System wie den Wald und seine Tiere, die Natur und ihr Ökosystem vermittelt werden? Die persönliche Qualifikation wird mit wenigen Ausnahmen (z.B. Berlin - Schießleistungsnachweise alle 3 Jahre) nie mehr auf den Prüfstand gestellt. Seh- und Reaktionsvermögen schwinden, aber die Jagd wird weiterhin ausgeübt.

Tote und Verletze: Im langjährigen Durchschnitt sterben pro Jahr etwa 30-40 Menschen bei Jagdunfällen in Deutschland, die Anzahl der Verletzten beträgt ein Vielfaches. Hinzuzurechnen sind Wildunfälle mit etwa 40 Verkehrstoten und 3.000 Verletzten pro Jahr. Die hohe Anzahl von Verkehrsunfällen insbesondere mit Rehwild ist direkt auf die sogenannte Überhege (Mästung, Jagdmethoden) von Rehwild zurückzuführen.

"Zwangsbejagung": In Deutschland muss im Rahmen der „Pflichtmitgliedschaft in Jagdgenossenschaften" jeder Grundstückseigentümer die Jagd auf seinem Grund dulden, ob er es will oder nicht. Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte steht die Beschwerde eines deutschen Grundstückseigentümers zur Entscheidung an. Damit kann unter Umständen noch in diesem Jahr gerechnet werden.

Bleivergiftung: Umweltverbände gehen davon aus, dass jährlich etwa 2.000-4.000 Tonnen Blei in Deutschland verschossen wird. Das führt zu nennenswerten Vergiftungen von Böden und Gewässern, welche durch die Jagd verursacht werden. Die Verwendung von Bleimunition führt ferner dazu, dass bis zu 300.000 Tiere durch die Aufnahme von Blei über die Nahrung den Gifttod sterben, darunter immer wieder der Seeadler. In den USA, den Niederlanden, Dänemark und Schweden ist die Verwendung von bleihaltiger Munition längst untersagt.

Volkswirtschaftlicher Schaden: Die Jagd verursacht einen erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden in Höhe von mehreren Milliarden Euro. Ursachen sind zum einen die sogenannte (Über-)Hege (Mästung und Medikamentierung) von Schalenwild (z.B. Hirsch, Reh, Wildschwein) und zum anderen ineffiziente Jagdmethoden, welche die Sozialstrukturen z.B. von Schwarzwild zerstören. Beides führt seit Jahrzehnten zu einer unnatürlichen Bestandsdichte dieser Tierarten. Das wiederum resultiert in erheblichen Forstschäden und Straßenverkehrsunfällen. Allein die Versichungsschäden aus ca. 200.000 Schalenwildunfällen dürften sich auf etwa 1 Mrd. Euro pro Jahr belaufen.

12.08.2010

Hier können Sie Begegnungen mit Jägern dokumentieren


Hatten Sie bereits unangenehme Erfahrungen mit Jägern? Haben Sie Beobachtungen gemacht, wo Sie sagten "Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen?". Hat man Ihnen gedroht? Wollte man Ihren Hund überfahren? - Nein, ich übertreibe nicht, das ist die Realität! Vielleicht sind Ihnen auch Jagdvergehen aufgefallen. Sie sind sich nicht sicher? Im Forum Jagdbeobachtungen erfahren Sie, worauf Sie achten sollten. Die Forumsmitglieder freuen sich auf Ihren ersten Beitrag!

Tierschutz in Niedersachsen

Am 12.08.2010 an: McAllister@cdu-niedersachsen.de

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
Frau Grotelüschen hat in Sachen Tierschutz "Interessenskonflikte", welche eine Fortführung ihres Amtes ohne Schaden für Ihr Kabinett unwahrscheinlich erscheinen lässt. Sie täten Ihrem Kabinett, dem Land Niedersachsen, der Politik, der Bundesrepublik und vielleicht auch den Tieren einen unschätzbaren Dienst, wenn Sie hier gleich zu Beginn Ihrer ersten Amtszeit als Ministerpräsident Stärke und Durchsetzungsvermögen zeigen würden und eine glaubwürdige Person mit dem Amt des Landwirtschaftsministers oder der -ministerin betrauen würden.
Mit freundlichen Grüßen
Lovis Kauertz
http://www.jagdaberfair.de/
www.twitter.com/jagdaberfair
Facebook Fan-Seite: We Are Fox

06.08.2010

Im Abschussrausch - zehn Millionen getötete Wildtiere jedes Jahr

Hier geht's zur aktuellen Version vom 7. Juli 2011.

Die so genannte „Jahresstrecke“, also die Anzahl der vom Deutschen Jagdschutzverband (DJV) gemeldeten jährlich getöteten Wildtiere ist nach Einschätzung von www.jagdaberfair.de, einer Tierschutzinitiative mit Schwerpunkt Jagd, vollkommen falsch und untertrieben.

Die Statistik des Jagdverbandes gibt für das Jagdjahr 2008/09 etwas über fünf Millionen im Rahmen der Jagd getöteter Wildtiere an. Schon das ist eine unglaublich hohe Anzahl, wenn man bedenkt, dass nur ein kleiner Teil dieser Tiere überhaupt - zum Beispiel als Wildbret - „verwertet“ wird. Der Großteil der getöteten Tiere wird einfach entsorgt.

Die Wahrheit sieht viel schlimmer aus: ‘zigtausende Enten, Füchse, Bodenbrüter werden alljährlich im Rahmen der Jagdhundeausbildung getötet. Die Trefferquoten bei Bewegungsjagden (das Wild wird aufgescheucht und auf der Flucht erschossen) sind ausgesprochen gering. Dabei wird der weitaus größte Teil der Tiere nur verletzt und nicht aufgefunden. Diese Tiere verenden oft qualvoll nach Stunden oder Tagen. Bei der Jagd auf Wasservögel wird durch die breite Streuwirkung des Schrots ein weitaus größerer Teil der Tiere „nur“ verletzt und nicht getötet.

Umweltverbände gehen davon aus, dass jährlich etwa 2.000-4.000 Tonnen Blei in Deutschland verschossen werden. Das führt nicht nur zur Vergiftung von Böden und Gewässern, es führt auch dazu, dass bis zu 300.000 Tiere durch die Aufnahme von Blei beim Gründeln oder über die Nahrung den Gifttod sterben, darunter immer wieder der Seeadler. In den USA, den Niederlanden, Dänemark und Schweden ist die Verwendung von bleihaltiger Munition längst untersagt.

Einige hunderttausend Vögel, darunter Kormoran, Blässhuhn, Höckerschwan und Eichelhäher und ebenso Hunde und Katzen werden von vornherein nicht oder nicht systematisch erfasst und ein weiterer signifikanter Anteil wird aus Bequemlichkeit oder wegen des administrativen Aufwands nicht gemeldet.

Insgesamt dürften so in Deutschland ohne Übertreibung etwa 10 Millionen Tiere jährlich der Jagd zum Opfer fallen – das sind 28.000 Tiere pro Tag! Der Sinn insbesondere der Hobby-Jagd ist nicht nur heftig umstritten, es gibt auch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, die zu dem Ergebnis kommen, dass die Jagd zur Bestandsregulierung - und diese wird als Hauptargument der Jagd vorgebracht - nicht erforderlich ist. Wissenschaftler habe sogar nachgewiesen, dass die Jagd hinsichtlich der Bestandsregulierung teilweise kontraproduktiv ist und zum Beispiel bei Fuchs und Schwarzwild zu erhöhter Fortpflanzungsdynamik führt.

Nun wäre auch die von www.jagdaberfair.de erstellte "Jahresstrecke" nicht vollständig, ohne die Menschen zu erwähnen, die durch die Jagd umkommen oder verletzt werden. Bei Jagdunfällen werden im langjährigen Jahresdurchschnitt etwa 40 Menschen pro Jahr getötet und einige Hundert verletzt. Weitere 40 Personen werden bei Wildunfällen getötet und mehrere Tausend verletzt. Die hohe Anzahl der Wildunfälle (allein über 200.000 mit Rehen) ist eine direkte Folge der sogenannten Hege dieser beliebten Trophäenträger.


1) Statistik des DJV über die Jahresstrecke
2) F. Werner "Was Jäger verschweigen", u.a.20 Enten pro Jagdhund (5.000 pro Jahr)
2) Hasenspur: Ausbildung im Frühjahr geht einher mit erheblicher Störung der Jungenaufzucht.
2) Baujagd-Ausbildung Füchse, geschätzt
3) Trefferquote 50 % bei Fasanen, Wildenten, hohe Fehlerwahrscheinlichkeit bei Jagd in der Dämmerung und Bewegungsjagden. %satz = Anteil der nicht aufgefunden, verletzten Tiere. Blattschussquote bei Bewegungsjagden 25-30%. "Unsere Jagd" Sonderdruck 2008 "Wildbrethygiene"
4) Beutegreifer, Greifvögel durch Nahrungsaufnahme, Wasservögel durch Aufnahme v Schrotkörnern bei d Nahrungsaufnahme. Wissenschaftliche Untersuchungen gehen von einer Mortalitätsrate von 25 % aus.

5) Kormoran, Graureiher, Möwe, Bläßhuhn, Höckerschwan, Elster, Rabenkrähe, Eichelhäher, u.a.. Quelle DJV-Handbuch 2006
6) Jagdstrecke DJV inkl. Fallwild: 199.400 Rehe, 28.600 Schwarzwild, 4.600 Damwild, 2.600 Rotwild
7) Die Anzahl erfasster Wildkaninchen ist unrealistisch a) im Vergleich zur der Anzahl getöteter Hasen b) im Vergleich z.B. zum Jahr 1991/1992, damals wurden noch über 860.000 tote Kaninchen erfasst.
8) Ermittlung anhand der Trefferquoten, beeinhaltet auch nicht gemeldete Unfallschäden

01.08.2010

Beck bläst zur Jagd auf den Kormoran

Mainz - Der Kormoran (Lat. Phalacrocorax carbo) ist gemäß den Artikeln 2, 5 und 6 der EG-Vogelschutzrichtlinie generell geschützt. Die Population des Kormorans darf somit durch Abschussgenehmigungen nicht in ihrem Bestand gefährdet werden. Ausnahmen von diesem generellen Schutz sind nur gemäß Artikel 9 der Richtlinie „zur Abwendung erheblicher Schäden an Fischereigebieten und Gewässern" zulässig.
Das unter Kurt Beck SPD-regierte Rheinland-Pfalz hat bereits in 2009 eine solche Ausnahme-geneh-migung erteilt. Angeblich seien Lachs, Äsche oder Aal durch den Kormoran bedroht. Stichhaltige Belege dafür gibt es aber nicht - wie es im übrigen auch keinerlei verlässliche Bestandszahlen zur Begründung der Nieder- oder Hochwildjagd gibt.
Vielmehr gibt es wissenschaftlichen Untersuchungen, die nachweisen, dass in natürlichen Gewässern (große Binnenseen, Flüsse, Küstengewässer), wo sich die weitaus meisten Kormorane aufhalten und Nahrung suchen, keine nennenswerten, geschweige denn erhebliche Schäden auftreten. Abgesehen von punktuellen Ausnahmesituationen an kleinen Fließgewässern gibt es auch keine wissenschaftlich belegten Nachweise darüber, wie und in welchem Umfang Kormorane das Vorkommen von Fischarten oder gar seltenen Fischarten beeinflussen.
Im Gegensatz dazu wurde bei vielen Untersuchungen in Bayern, Schleswig-Holstein, Brandenburg und der Schweiz ein paralleles Anwachsen von Kormoran- und Weißfischbeständen festgestellt. Rückgänge von Fischbeständen und Gefährdung einzelner Fischarten waren und sind dagegen primär auf Gewässerverschmutzung und -verbauung zurückzuführen.
Fischer betrachten den Kormoran als Jagdkonkurrenten nach Edelfischen. Tatsächlich fressen Kormorane aber nur wenige Edelfische, vielmehr ernähren Sie sich von wirtschaftlich unbedeutenden "Weißfischen". Gemäß NABU wurde dies durch wissenschaftliche Untersuchungen und Analysen von Speiballen (Ausscheidungen aus dem Magen) nachgewiesen.
Nach Auskunft der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (Gnor) Rheinland-Pfalz gibt es gerade einmal 250 Brutpaare des Kormorans in Rheinland-Pfalz. Was also rechtfertigt den Abschuss von über 600 Kormoranen in der Jagdsaison 2009/2010? Die vom Ministerium als Scheinargument vorgebrachte Bestandsgefährdung seltener Fischarten scheidet den wissenschaftlichen Ergebnissen folgend aus. Auch wirtschaftlich hat die mit Millionen aus Steuermitteln geförderte Fischerei in Rheinland-Pfalz nicht mehr als marginale Bedeutung. Nach Auskunft des Bundeslandwirtschaftsministeriums gab es 2007 gerade mal 24 Haupterwerbs- und 12 Neben- und Zuerwerbsbetriebe, die in Rheinland-Pfalz der Fischerei nachgehen. Nur 1,3 % des deutschen Fischaufkommens aus Seen- und Flussfischerei und weniger als 1 % aus Aquakulturen kommen aus Rheinland-Pfalz. Am 15. August beginnt die nächste Jagdsaison!
Mehr zum Kormoran bei NABU
Die Rheinpfalz 30.07.2010
Die Rheinpfalz 29.10.2010: Kormoranjagd verfehlt ihr Ziel
 

31.07.2010

Berlin ist Wildschwein-Stadt

Die Tiere dringen immer weiter ins Siedlungs-gebiet vor. Das ist aber kein Grund zur Panik, findet Förster Marc Franusch.
Schwarzwild ......Sus scrofa
Die Schweine seien ausgesprochen friedlich - solange man ihnen nicht zu nahe kommt ... lesen Sie mehr

Bürgerinformation "Wildtiere im Stadtgebiet"

30.07.2010

Anfrage Jagdrecht - Antwort aus Berlin

Auf meine Anfrage zum Jagdrecht vom 12. Juli 2010 habe ich eine erste Antwort vom Land Berlin erhalten, die ich nachfolgende zusammenfasse und kommentiere.

 Foto Helmut Sütsch www.fuchsfilm.de
In der rot-roten Regierungskoalition unter Klaus Wowereit (SPD) ist das Jagdrecht dem Senat für Stadt-entwicklung zugeordnet, welches von der Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) geleitet wird. Die Gesetzgebungsmöglichkeit der Länder hat Berlin zuletzt in 2006 für die Änderung des Jagdgesetzes genutzt. Im Vergleich zu anderen Bundesländern gibt es einige vorbildliche Regelungen:
  • Das Füttern von Wildtieren ist  - ausser in Notzeiten -  untersagt.
  • Der Einsatz von Fallen ist verboten.
  • Im Rahmen der Jagdscheinverlängerung muss der Antragsteller alle 3 Jahre einen Schießnachweis vorlegen.
  • Die Jagdzeit ist für die meisten jagdbaren Arten auf die Monate Oktober bis Januar reduziert. Für Altfüchse von November bis Januar, für Kaninchen von September bis Mitte Februar.
  • Bleihaltige Munition darf nicht an und über Gewässern bei der Jagd auf Wasserfederwild eingesetzt werden.
  • Jagd in Naturschutzgebieten ist nur vorgesehen, wenn es der Schutzzweck erfordert.
Berlin plant, die Prüfung von Jagdhunden an lebenden Tieren auszuschließen. Für eine grundsätzliche Novellierung des Landesjagdgesetzes wird derzeit kein Anlass gesehen.

Leider dürfen Jungfüchse bereits ab Mai gejagt werden, was dazu führen dürfte, dass auch - obwohl verboten - Altfüchse geschossen werden. Das wiederum hat Konsequenzen für den Nachwuchs, der ohne den einen oder anderen Elternteil keine oder nur geringe Überlebenschancen hat. Die Möglichkeit einige Arten bereits vor der Hauptjagdzeit ab Oktober bzw. Wildschweine - sofern es sich nicht um eine führende Bachen handelt -  ganzjährig jagen zu können, konterkariert natürlich die ansonsten herrschende Jagdruhe zwischen Februar und September.

JagdAberFair beurteilt die Jagdregelungen für das Land Berlin unter der Regierungskoalition aus SPD und Linken als insgesamt positiv, insbesondere im Vergleich zu anderen Ländern, nicht nur den Flächenländern.

26.07.2010

NRW will Jagdrecht nach Tierschutzkriterien ausrichten

SPD und Bündnis 90 / Die Grünen haben sich in Nordrhein-Westfalen auf einen Koalitionsvertrag geeinigt und nachfolgenden Passus übernommen: "Das Jagd- und Fischereirecht muss nach ökologischen und Tierschutz- kriterien ausgerichtet werden. Praktiken, die mit dem Tierschutz unvereinbar sind, wollen wir künftig untersagen.«
Foto: Bläßhuhn, lat.Fulica atra www.andreasholgerklein.de

JagdAberFair wird in Kürze nachhaken und nach konkreten Absichten fragen. Die Anfrage hinsichtlich der Änderung des Jagdrechts an andere Bundesländer finden Sie hier. Konkrete Antworten auf mein Schreiben vom 12. Juli 2010 stehen noch aus - wir haben Geduld und bleiben am Ball.





25.07.2010

Tierschutzpolitik in Rheinland-Pfalz

Kurt Beck, Ministerpräsident in Mainz, rühmt sich einer vorbildlichen Tierschutz-Politik. Doch weit gefehlt, im Hinblick auf das nun mit den Stimmen von SPD und FDP verabschiedete Landesjagdgesetz hat sich für die Tiere nur Unwesentliches geändert. Weiterhin wird es möglich sein, tierquälerische Jagdmethoden wie die Fallenjagd anzuwenden, Hund und Katz' im Rahmen der Jagdausübung abzuschießen oder Tiere ganzjährig  - ohne Schonzeit -  zu töten. Selbst vom Aussterben bedrohte Tierarten (Rote Liste) dürfen in Rheinland-Pfalz weiterhin bejagt werden.

Die Art und Weise, wie die Novellierung des Landesjagdgesetzes unter Kurt Beck zustande gekommen ist, spricht Bände: von Jägern des Umweltministerium entworfen, wurde der Entwurf anschließend mit Vertretern des Landesjagdverbandes erörtert und nach anfänglichen Protestandrohungen angepasst. In der öffentlichen Anhörung wurden zwar der lokale Bogenschießverein zu den Änderungen gehört, nicht aber renommierte Tierschutzverbände.

 Foto: Helmut Sütsch www.fuchsfilm.de

Auf eine erfolgreich von pro iure animalis initierte Protestaktion reagierten nun sowohl Ministerpräsident Beck wie auch das Büro seiner "Jagdministerin" Conrad. Lesen Sie die gesamte Korrespondenz hier.

Lesen Sie auch: Kommentar zum Landesjagdgesetz

22.07.2010

Jäger töten jedes Jahr ca. 300.000 Katzen



300.000 Katzen werden nach Schätzungen verschiedener Organisationen Jahr für Jahr von Jägern in Fallen gefangen und/oder erschossen - gedeckt durch die Jagdgesetze. Auch das eben erst von SPD und FDP durchgewinkte modifizierte Landesjagdgesetz in Rheinland-Pfalz ändert daran nichts. Die Scheinargumentation für den Abschuss von Katzen reicht von "populationsgefährdend" für Singvögel bis zu "Bastardierung" von Wildkatzen. Alles Unsinn, wie seriöse wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen. Heidrun Heidtke von http://www.witas.eu/ hat eine Ausarbeitung über dieses Thema geschrieben, welche mit den Argumenten der Jäger aufräumt. Lesen Sie den Aufsatz von Heidrun Heidtke hier.

Weitere Informationen zum Haustierabschuss finden Sie hier.

12.07.2010

Jagd und Tierschutz – Es regt sich Widerstand

Pressemitteilung vom 12. Juli 2010:
Jagd ist zu einem großen Teil Tierquälerei. Nach Schätzung von JagdAberFair, einer Tierschutzinitiative mit Schwerpunkt Jagd, verenden mindestens 2 Millionen Tiere jedes Jahr qualvoll, zum Beispiel weil sie nur angeschossen, aber nicht tödlich verletzt werden. Fallenjagd, Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren, Jagd auf vom Aussterben bedrohte Arten (Rote Liste) und auf Zugvögel, das Aussetzen von Tieren zwecks Jagd – all dies ermöglicht die aktuelle Jagdgesetzgebung.

Doch es regt sich Widerstand. In Facebook, Studi-VZ, Twitter und Co. tun sich tausende von Tierfreunden zusammen, um über diese Zustände aufzuklären und zu protestieren. Erst gerade hat das SPD regierte Rheinland-Pfalz ein neues Landesjagdgesetz verabschiedet. Bedeutende Vertreter des Tierschutzes sind dazu nicht einmal gehört worden. Der Protest mit über 2.600 Eingaben von Bürgern, die sich einen anderen Umgang mit der Natur wünschen, folgte auf dem Fuße. Einen wahren Proteststurm entfachte das Bekanntwerden einer in Sachsen (CDU) ausgelobten Prämie gegen die Vorlage von Fuchsohren.

Umfragen (EMNID) zufolge lehnt ein überwiegender Teil der Bevölkerung die Jagd insbesondere aus Gesichtspunkten des Tierschutzes ab. Selbst innerhalb der Jägerschaft gibt es Gruppierungen, welche die vom Deutschen Jagdverband (DJV) propagierte Form der Jagdausübung nicht mehr tolerieren.

Anlass genug für JagdAberFair, die Ministerpräsidenten der Länder zu befragen, welchen Einfluss sie im Rahmen Ihrer neugewonnen Möglichkeiten auf die Jagdgesetzgebung und den Tierschutz nehmen wollen (Anschreiben: www.jagdaberfair.de).

Zu den Hauptforderungen von Naturschutzverbänden, ökologisch orientierten Jägern und Tierschutzverbänden gehören unter anderem das Verbot der Fallenjagd, des Abschusses von Haustieren, von Füchsen, Dachsen, Mardern und anderen Beutegreifern, des Einsatzes von bleihaltiger Munition, der Jagd in Naturschutzgebieten und der Hundeausbildung an lebenden Tieren.

Keine dieser Maßnahmen hätte negative Auswirkungen auf den Naturhaushalt, die Artenvielfalt, das Seuchengeschehen oder die Finanzhaushalte. Vielmehr würde der unglaublichen Tierquälerei durch die Hobbyjägerei ein Riegel vorgeschoben werden. Die Artenvielfalt würde sich - renommierten Wissenschaftlern folgend - ohne die Jagd auf Beutegreifer und Federwild wesentlich besser entwickeln. Der Seuchengefahr kann durch Impfungen wirksam entgegengewirkt werden und selbst die Staatsfinanzen könnten durch ein effektiveres Reh- und Rotwildmanagement gestärkt werden (Reduzierung von Waldschäden).

Gefordert ist hier politischer Wille und Mut, in das jagdliche Brauchtum signifikant einzugreifen und ein Gesetz auf den Weg zu bringen, welches den veränderten Bedingungen des 21. Jahrhunderts, den wissenschaftlichen Erkenntnissen, dem modernen Tier- und Artenschutz und der Mehrheit der Wähler gerecht wird.

10.07.2010

Anfrage Jagdgesetz II - Schreiben an die Ministerpräsidenten

Vielen Dank für Ihre Rückmeldungen zu meinem Entwurf (s. unten), den ich entsprechend der Anregungen angepasst habe. Das Schreiben geht am 12. Juli raus an die Ministerpräsidenten der Länder Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Hessen, Saarland, Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern. Rheinland-Pfalz habe ich außen vorgelassen - da ist eben erst ein neues Jagdgesetz verabschiedet worden (leider ohne die Chance zu nutzen, wirklich etwas für den Tierschutz zu tun) -   und auch Nordrhein-Westfalen  -  hier wir die neue Regierung ja gerade erst gebildet.

Mein besonderes Augenmerk gehört nun den Ländern, in welchen für 2011 eine Landtagswahl angesetzt ist: Baden-Württemberg (CDU), Berlin (SPD), Bremen (SPD), Sachsen-Anhalt (CDU) und Rheinland-Pfalz (SPD).

Die SPD in RLP hat sich ja bereits (gemeinsam mit der FDP) als Befürworter der Jagd in ihrer koventionellen Form und der damit einhergehenden Tierquälerei geoutet. Um ehrlich zu sein, im Hinblick auf die anderen Flächstaaten, sei es Sachsen-Anhalt oder Baden-Württemberg, habe ich ebenfalls keine große Erwartungshaltung. Mal sehen - auch bin ich gespannt, wie unsere "Stadtstaaten" antworten. Überraschungen sind willkommen!

03.07.2010

Anfrage Jagdrecht - Schreiben an die Ministerpräsidenten

(Nachfolgend der Entwurf eines Schreibens, welches ich in Kürze an die Ministerpräsidenten und/oder die für Jagd zuständigen Minister in den Ländern versenden möchte. Sie können mir behilflich sein, indem Sie das Schreiben kritisch durchlesen und mir ein Feedback oder Anregungen zu Änderungen zukommen lassen:) Schreiben versandt am 12. Juli 2010 (siehe oben)

Turmfalke.......Falco tinnunculus

Anfrage Jagdrecht

Sehr geehrte …
unser Jagdrecht geht in seinen Grundzügen noch heute auf das von Reichsjägermeister Göring erlassene Reichsjagdgesetz zurück. Seit 2006 haben die Länder die Möglichkeit, das Jagdrecht auf Landesebene weitgehend selbst zu gestalten. Bitte lassen Sie mich doch wissen, ob und wenn ja, wann Sie für Ihr Bundesland eine Jagdrechtsreform planen und welche Akzente Sie insbesondere im Hinblick auf den Tierschutz setzen möchten.

Spätestens seit den 70er Jahren regt sich ein immer stärker werdender öffentlicher Widerstand gegen Zustände und Methoden der Jagd. Umfragen (EMNID) zufolge lehnt ein überwiegender Teil der Bevölkerung die Jagd insbesondere aus Gesichtspunkten des Tierschutzes ab. Selbst innerhalb der Jägerschaft gibt es Gruppierungen, welche die vom DJV propagierte Form der Jagdausübung nicht mehr tolerieren. Zu den Hauptforderungen von Naturschutzverbänden, ökologisch orientierten Jägern, Tierschutzverbänden gehören u.a.:

Verbot der Wildtier-Fütterung und -Medikamentierung - Verbot jeglicher Art von Fallen - Verbot von Abschuss und Fang von Haustieren - Verbot der Jagd in Naturschutz-, Wildschutz- und FFH-Gebieten - Verbot der Bejagung von Beutegreifern (z.B. Fuchs, Dachs, Marder) - Reduzierung der Jagdzeiten auf ca. 3 Herbst-/Wintermonate - Signifikante Reduzierung der jagdbaren Arten - Verbot der Beizjagd (Falknerei) - Verbot bleihaltiger Munition - Verbot von Ausbildung und Prüfung von Jagdhunden an lebenden Tieren

Keine der oben genannten Maßnahmen hätte negative Auswirkungen auf den Naturhaushalt, die Artenvielfalt, das Seuchengeschehen, die Finanzhaushalte. Vielmehr würde der unglaublichen Tierquälerei durch die Hobbyjägerei ein Riegel vorgeschoben werden (ca. 2 Millionen Tiere verenden, weil sie z.B. nicht tödlich getroffen werden) . Die Artenvielfalt würde sich - renommierten Wissenschaftlern folgend - ohne die Jagd auf Beutegreifer und Federwild wesentlich besser entwickeln. Der Seuchengefahr kann z.B. durch Impfungen wirksam entgegengewirkt werden und selbst die Staatsfinanzen könnten durch ein effektiveres Reh- und Rotwildmanagement gestärkt werden (Reduzierung von Waldschäden). Und last but not least könnte eine Regierung, die als Pionier die Jagd in diesem Sinne neu ordnet, sich eines breiten Zuspruchs der Wähler sicher sein.

Die Landesregierung in Rheinland-Pfalz hat gerade vorgemacht, wie man eine Novellierung des Jagdrechts nicht angehen sollte. Herausgekommen ist ein von Jägern für Jäger geschriebenes Gesetz ohne jedwede Akzente, welches wohl auch der oben zitierte Reichsjägermeister durchgewinkt hätte.

Gefordert aber ist politischer Wille und Mut, in das jagdliche Brauchtum signifikant einzugreifen und ein Gesetz auf den Weg zu bringen, welches den veränderten Bedingungen des 21. Jahrhunderts, den wissenschaftlichen Erkenntnissen, dem modernen Tier- und Artenschutz und der Mehrheit der Wähler gerecht wird.
Ich freue mich auf eine Antwort, stehe gerne für ein Gespräch zur Verfügung und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Lovis A. Kauertz